Packend, bedrückend, unerwartet klug ¿ ein Survival-Horror, der durch Realismus punktet
Hier ist mal einer dieser seltenen Zombie-Romane, die sich nicht über Schockeffekte definieren, sondern durch ihren Realismus. Geschrieben in Tagebuchform, wirkt das Geschehen erschreckend authentisch - als würde man die Aufzeichnungen eines echten Menschen finden, der die ersten Wochen einer globalen Katastrophe dokumentiert.Im Mittelpunkt steht ein namenloser Marinesoldat, der gleichzeitig Erzähler und Protagonist ist. Er ist kein strahlender Held, aber ein erstaunlich kompetenter, gut geschulter und gleichzeitig menschlich fehlerbehafteter Überlebender. Genau das macht ihn glaubwürdig.Besonders positiv: Selten habe ich michnichtüber einen Protagonisten geärgert. Dieser Mann weiß, was er tut - endlich mal jemand, der in einer Apokalypse logisch handelt. Er improvisiert, beobachtet, plant, sammelt Vorräte und versucht zu überleben, während die Welt in rasender Geschwindigkeit zusammenbricht.Die Handlung ist eher eine Abfolge von Survival-Etappen als eine klassische Heldenreise - pragmatisch, knapp, realistisch.Die Atmosphäre ist beklemmend, trocken, manchmal fast dokumentarisch. Die Sprache spiegelt die militärische Denkweise des Protagonisten wider: klar, pragmatisch, ohne große Emotionen.Ich habe eine Mischung aus Spannung, Beklemmung, unterschwelliger Traurigkeit und immer wieder einer bedrückenden Faszination empfunden. Besonders eindrucksvoll fand ich die "Environmental Storytelling"-Momente: verlassene Häuser, kleine Hinweise auf Schicksale, Abschiedsbriefe, die Untoten in Situationen, die von ihrem früheren Leben erzählen. Tragische Geschichten, die man nie ganz erfährt oder je erfahren wird - schließlich sind alle beteiligten mittlerweile (Un)tot.Der Roman ist bewusst trocken gehalten, und große Charakterentwicklung darf man nicht erwarten. Wer allerdings intelligente Action, realistische Survival-Strategien und eine starke Hauptfigur sucht, wird hier absolut fündig. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr innere Reflexion - aber die nüchterne Perspektive passt perfekt zur Tagebuchform und zum militärischen Hintergrund.Für Fans von realistischem Zombie-Horror, Survival-Fiction und atmosphärisch-dichten Endzeitgeschichten ist Das Tagebuch der Apokalypse definitiv ein netter Snack.