Der Autor bezeichnet sich selbst als "Der Fabelhafte" und seine Bücher als "Meisterwerke" - nichts könnte ferner liegen
Beginnen wir mit dem Positiven: das Roman bietet ein paar überraschende Wendungen und ist spannend und vor allem so einfach geschrieben, dass man es schnell abschließen kann. Sonst hätte ich es wohl abgebrochen. Das war es aber leider auch schon mit dem Positiven.Die merkwürdig positive Darstellung der pädophilen Beziehung zwischen Quebert und Nola, die von Goldmann nie kritisch hinterfragt wird, wurde ja bereits mehrfach kritisiert. Was mich davon abgesehen aber am meisten am Buch genervt hat, sind die vielen haarsträubend unglaubwürdigen Geschehnisse und die Darstellung des völlig überzeichneten Helden Goldmann.Die 31 Ratschläge, die Quebert Goldmann gibt, sind so platt, uneindeutig und wenig hilfreich, dass man sich wirklich fragt, wie Goldmann auf dieser Basis zwei Bestseller schreiben konnte. Ironischerweise sind die Auszüge dieser "Meisterwerke" von Goldmann und Quebert, die im Buch abgedruckt sind, aber genauso platt, niveaulos und kitschig geschrieben, wie man es anhand der Ratschläge auch erwarten würde. Dennoch werden diese Bücher in der Welt des Romans trotzdem von der Literaturkritik hochgejubelt und als "Meisterwerke" betitelt, was auf Basis des Schreibstils völlig absurd und lächerlich erscheint. Bereits nach seinem ersten Roman wird Goldmann berühmt wie ein großer Popstar, und von jedem Passanten auf der Straße sofort erkannt. Zudem wird er reich und geht mit dem angesagtesten Top-Model aus. Wie viele Menschen würden in der echten Welt denn auch nur fünf lebende Autoren am Gesicht erkennen? Und selbst diese Autoren mussten sich ihre Popularität über Jahrzehnte erarbeiten und führen trotzdem kein Popstar-Leben. Aber Goldman schafft es mit nur einem Buch. Solche übertriebenen Darstellungen reißen mich einfach komplett raus und man wird das Gefühl nicht los, dass der Autor des Buchs nur einfach sich selbst gern an dieser Position sehen würde.Bereits zu Beginn des Buches wird beschrieben, wie Goldmann sich den Ruf als "Der Fabelhafte" erarbeitet hat: durch Tricksen - und erneut unglaubwürdiges Verhalten seiner Umwelt. Weil auf seiner Highschool alle anderen Sportkurse bereits überfüllt sind, wählt er den Hockey-Kurs, in dem sich ansonsten nur sehr tollpatschige und wenig talentierte Mitschüler eingeschrieben hatten, wodurch er die Chance sieht, sich hervorzutun. Das gelingt ihm auch und er steigt zum Sport-Star der Schule auf. Dass Hockey aber ein Mannschaftssport ist und man selbst als außergewöhnlich talentierter Sportler mit einer ansonsten miserablen Mannschaft normalerweise trotzdem keine großen Erfolge erreichen kann - insbesondere gegen Mannschaften anderer Schulen, die vermutlich talentiertere Spieler in ihren Mannschaften haben - wird einfach unter den Tisch gekehrt. Später tritt er dem Laufteam bei, wo sich natürlich erneut nur völlig unsportliche Mitschüler finden und er sich erneut hervortun kann. Der Schulleiter ist daraufhin so begeistert, dass er einen Wettlauf mit anderen Schulen organisiert. Nun ist aber gerade Laufen eine Disziplin, bei der man die Einzel-Leistung eines Läufers wunderbar mit denen anderer Läufer vergleichen kann. Aber offenbar kommt selbst der Schulleiter, der ja um die bisherigen Leistungen seiner angebotenen Sportarten wissen müsse, nicht mal auf die Idee, sich vorher zu erkundigen, welche Zeiten die Schüler anderer Schulen laufen. Bei einem wissenschaftlichen Projekt belegt Goldmann nur den 16. Platz und erfindet daraufhin geistig Behinderte, um die er sich hatte kümmern müssen, wodurch er keine Zeit für das Projekt hatte. Die Schulgemeinschaft fällt natürlich ohne Nachzudenken auf diese platte Lüge herein und spricht ihm den 1. Preis zu. Als Leser bleibt man unschlüssig, ob man das nun witzig oder besonders clever finden soll, es ist aber beides nicht. Die Fairness gegenüber den anderen 15 besser platzierten Schülern ist der Schule und auch Goldmann dabei offenbar vollkommen egal. Nicht nur ist das alles vollkommen unglaubwürdig und unrealistisch, Goldmann ordnet das auch nicht besonders selbstkritisch ein und macht sich damit bereits am Anfang sehr unsympathisch.Auch die Liebesgeschichte zwischen Quebert und Nola ist völlig unglaubwürdig. Sie treffen sich am Strand und verlieben sich ohne weiteres unsterblich ineinander. Das ist die komplette Geschichte, kein langsames Kennenlernen, tiefgründige Gespräche oder auch nur irgendein Anhaltspunkt, was Quebert an Nola oder andersherum Besonderes findet. Im Gegenteil wird Nola daraufhin ausschließlich als sehr naiv, kindlich und mütterlich dargestellt, die sich um Queberts Haushalt und Essen kümmert und seine Texte abschreibt. Sie führen nur wenig Gespräche, die über "allerliebste Nola" und "allerliebster Harry" hinausgehen. Es ist absurd.Auch über die nach vielen Wendungen endgültige Auflösung sollte man besser nicht nachdenken, damit einem nicht die vielen Logiklöcher auffallen. Nicht jedes Buch muss sprachlich besonders anspruchsvoll sein. Es ist völlig okay, wenn ein Buch einfach geschrieben ist, weil es nur spannend, aber nicht anstrengend sein will. Das ist dieses Buch auch. Aber wenn der Autor beginnt, Tipps für das Schreiben eines "Meisterwerks" zu geben, sprachlich aber auf dem untersten Level bleibt, jede seiner Figuren eindimensional und unsympathisch bleibt und unzählige Logiklöcher aufreißt, macht er sich nur lächerlich und nach dem Lesen bleibt ein fader Beigeschmack.