Überraschende Wendung bezüglich der erwarteten Geschichte, ein Buch für Katzenliebhaber, innovative Ideen und ein sympathischer Protagonist.
Planetenwanderer von George R. R. Martin ist ein Science-Fiction-Episodenroman um den eigenwilligen Händler Haviland Tuf, der durch Zufall in den Besitz eines uralten Saatschiffs gelangt. Dieses gigantische Raumschiff enthält eine gewaltige genetische Datenbank und macht Tuf zu einer Art Ökoingenieur, der auf verschiedenen Welten mit ökologischen Katastrophen, politischen Konflikten und den Folgen menschlicher Gier konfrontiert wird. Auf seiner Reise durch den Weltraum begegnet er Gesellschaften, die vor scheinbar unlösbaren Problemen stehen ¿ doch die Macht seines Schiffes kann sowohl Rettung als auch Gefahr bedeuten. Der Roman verbindet klassische Science-Fiction mit Fragen nach Verantwortung, Machtmissbrauch und dem empfindlichen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.Oha, da ich gerade erst Armageddon Rock von George R. R. Martin bewertet habe, steige ich in diese Rezension ganz anders ein. In Planetenwanderer habe ich die Entwicklung gefunden, die ich in Armageddon Rock vermisst habe. Zuerst liest sich das Buch wie klassische Science-Fiction, deren Handlung man in ähnlicher Form schon aus anderen Romanen oder Filmen kennt: Eine Crew befindet sich auf einem Raumschiff und wird mit einer tödlichen Bedrohung konfrontiert. Dieser Handlungsbogen wirkt zunächst nicht besonders neu.Doch dann merkt man, dass die Geschichte scheinbar bereits auf ihr Ende zusteuert, obwohl man erst etwa ein Viertel des Buches gelesen hat. Plötzlich rückt eine andere Figur in den Mittelpunkt, und auch die Gestaltung der Geschichte verändert sich deutlich. Diese Wendung hat mir als Leserin sehr viel Freude bereitet.Haviland Tuf ist zudem ein großer Katzenfreund, intelligent, menschenscheu und anfangs sehr hilfsbereit. Durch einen Zufall verfügt er über eine beinahe göttliche Macht und möchte diese nutzen, um anderen Völkern zu helfen. Er meint es grundsätzlich gut, doch seine Eingriffe in bestehende Ökosysteme bleiben nicht ohne Folgen. Zum Ende hin wirkte er auf mich zunehmend machtbewusster und weniger sympathisch als am Anfang.Trotzdem macht die Geschichte großen Spaß. Gerade die Mischung aus klassischer Science-Fiction, ökologischen Fragestellungen, moralischen Konflikten und Tufs besonderer Art hat mir gut gefallen. Für Katzenliebhaberinnen und Katzenliebhaber ist das Buch zusätzlich empfehlenswert, weil Tufs Liebe zu seinen Katzen ein charmantes und wiederkehrendes Element der Geschichte ist.