Anthony Doerr schafft es in seinem Roman einen poetischen Blickwinkel auf den zweiten Weltkrieg zu beschreiben, ohne dabei die Brutalität, die Missstände oder die Hilflosigkeit auf allen Seiten zu beschönigen oder gar außer Acht zu lassen. Die Willkür und die Zufälle die über den Werdegang und die Geschichte eines Menschen entscheiden sind wunderschön eingefangen worden.Es geht um das blinde Mädchen Marie-Laure das mit ihrem Vater in Paris lebt. Ihr Vater ist im Museum angestellt und so hat sie von klein auf die Möglichkeit die Welt mit ihren Sinnen zu studieren, wahrzunehmen, zu erkunden. Als Paris dann besetzt wird, fliehen die beiden zu einem kauzigen Onkel und dessen Haushälterin nach Saint-Malo und wohnen während des Krieges dort.Werner dagegen wächst als Waise in einem Heim mit seiner Schwester im Ruhrpott auf und sein Weg in die Minen ist eigentlich schon festgelegt. Doch er verdankt es seinem Interesse und seiner Begabung für Mechanik und Elektronik einen Platz an einer elitären Schule zu erhalten. Dies führt ihn jedoch auch gradewegs zur Wehrmacht und in den Krieg.Die Geschichte der beiden ist von Anfang an miteinander verwoben, auch wenn man erst später versteht wodurch genau. Die Personen die im Leben der beiden auftauchen und eigentlich Nebenrollen sind bleiben einem ebenso im Gedächtnis wie die Geschichte selbst. Madame Manec, Etienne, Frederick, Volkheimer,¿.Der Schreibstil ist brillant, wenn man kurze Kapitel mag. Ich liebe sie. So bin ich förmlich durch dieses Buch geflogen und konnte es schwer zur Seite legen. Die Sprache ist nicht zuletzt durch Marie-Laures Blick auf die Welt bildgewaltig und poetisch. ¿Wissen Sie , was passiert, Etienne¿, fragt Madame Manec von der anderen Seite der Küche, ¿wenn sie einen Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser fallen lassen?¿¿Sie werden es uns sicher sagen.¿¿Er springt hinaus. Aber wissen Sie auch, was passiert, wenn man ihn in kaltes Wasser setzt und dann langsam zum Kochen bringt?Wissen Sie, was dann geschieht?¿Marie-Laure wartet. Die Kartoffeln dampfen. Madame Manec sagt: ¿Der Frosch wird gekocht.¿S. 289