. Kleinstädtische Idylle prallt auf menschliche Abgründe und dunkle Begierden. Ein Stoff voller Möglichkeiten und mit großem Potenzial, das letztlich leider ungenutzt bleibt. 2,5/5 ¿¿. Aber worum geht es genau...Hudson Valley, dort liegt Black Spring, nach außen scheint alles normal, doch die Stadt hütet seit 300 Jahren ein Geheimnis.Katherine, die alte Hexe, die ihr unsterbliches Dasein dort fristet. Damit niemand von ihr erfährt gibt es strenge Regeln, die eines Tages gebrochen werden... . In "Hex" begleiten wir eine Vielzahl von Figuren durch die Handlung, aus deren Kreis sich vor allem Steve und sein Sohn Tyler als zentrale Bezugspersonen herauskristallisieren. Die gewählte Erzählweise eröffnet uns Lesern zwar ein breites Panorama an Eindrücken und Perspektiven, führt jedoch mangels klarer personeller Abgrenzung immer wieder zu Momenten der Orientierungslosigkeit.Besonders bedauerlich erscheint mir zudem, dass uns Katherines innere Welt vollständig verschlossen bleibt. Gerade ihre Gedanken hätten dem Roman eine zusätzliche Dimension verleihen und ihm jene Tiefe geben können, die ich an vielen Stellen schmerzlich vermisst habe. Meine Erwartungen an dieses Buch waren hoch, nicht zuletzt durch das Lob von Martin und King auf dem Cover. Auch das Motiv der Hexen hat eine gewissen verlässliche Anziehungskraft und vor allem das Versprechen, "überraschend anders" zu sein, tat sein Übriges. Umso größer war die Ernüchterung, nicht nur bei mir. ¿Jedoch gelingt der Auftakt! Die Geschichte beginnt interessant mit erkennbarem Gespür für eine schauerliche Atmosphäre. Die ersten zwei Drittel des Romans lassen sich flüssig lesen, nicht durchgehend packend, aber auch nie quälend zäh. Immer wieder blitzen Passagen auf, die Hoffnung machen, dass sich das Ganze noch zu etwas Größerem fügen könnte.Doch im letzten Drittel zerbricht diese Hoffnung. Hier scheint Heuvelt sich übernommen zu haben. Zu viele Themen drängen gleichzeitig ins Bild: menschliche Abgründe, Obsessionen, Mystik, Scheinheiligkeit und zwischenmenschliche Verflechtungen, Horror, moralischer Zeigefinger und gesellschaftliche Kritik. All dies wird hastig in einen großen Hexenkessel geworfen, nur um uns als Leser ein wenig später unausgegoren und erstaunlich lieblos abzuservieren.Das ist besonders bedauerlich, denn die Grundidee halte ich nach wie vor für ausgesprochen gut! Mit etwas mehr erzählerischer Geduld, einem klareren roten Faden und dem Mut, nicht um jeden Preis "neu und anders" sein zu wollen, hätte dieser Roman mein Herz gewinnen können. So bleibt am Ende vor allem eines: das unbefriedigende Gefühl einer vertanen Chance! Wirklich schade! ¿¿ . Vielleicht habe ich mich der Geschichte auch mit einem zu nüchternen Blick genähert, habe nach Logik gesucht, wo eher das Ungeordnete auf mich gewartet hat und wirken sollte. Möglicherweise ist mir dadurch das größere Ganze entglitten...wer weiß...