Bildhafter, fantastischer Einstieg in die Welt der Nebelgebornen mit großartigen Figuren und einem komplexen Magiesystem.
Kelsier wurde einst gefangen genommen und in die Gruben von Hathsin gebracht, um dort Atium abzubauen. Das ist das Todesurteil für jeden Skaa. Doch Kelsier konnte entkommen und gilt nun als der Überlebende. Zusammen mit seinem guten Freund Docksohn möchte er eine Rebellion der Skaa im letzten Reich gegen den Obersten Herrscher starten. Bei ihrer Planung entdecken sie das Diebesmädchen Vin. Schnell erkennt Kelsier in ihr eine Nebelgeborene wie er selbst. Der Überlebende von Hathsin bildet das Mädchen in der Allomantie aus, der Metallmagie der Nebelgeborenen. Von Brandon Sanderson wollte ich schon lange ein Buch lesen, weil er einer der besten Fantasyautoren der derzeitigen Zeit gilt. "Die Nebelgeborenen" gilt als guter Einstieg für Brandon Sanderson und das kann ich auch so bestätigen.Der Einstieg fiel einfach, da Sanderson einen packenden, wie auch bildhaften Schreibstil hat. Natürlich musste ich mich am Anfang erst orientieren, weil die Welt und die Magie komplex sind. Dennoch wurde das meiner Meinung gut erklärt. Ich habe das angehängte Glossar nicht benutzt (schon allein, weil ich das Buch als eBook gelesen habe und da mag ich es nicht hin und her zu springen - großer Nachteil von eBooks), weil ich das gar nicht benötigt habe. Es wurde nach und nach erläutert wie die verschiedenen Metalle funktionieren und wie man sie einsetzen kann, warum manche nur ein Metall benutzen können, während eben Nebelgeborene alle Metalle zur Verfügung haben, wie man entdeckt, dass man solche Kräfte hat etc. Also ich hatte da keine großen Probleme da durchzusteigen. Anfangs war ich lediglich verwundert, wie die Metalle überhaupt in den Körper kommen und wie man diese verbrennt, aber natürlich schlucken die magiebegabten diese einfach. Es gibt dabei auch Risiken, wenn man das macht. Kurzum: Das Magiesystem ist sehr komplex, aber gut durchdacht.Ähnlich verhält es sich mit der Welt an sich. Asche fällt vom Himmel, weil die Sonne rot, statt gelb leuchtet. Die Pflanzen sind nicht grün, sondern braun, dass jemand wie Vin zum Beispiel, es gar nicht anders kennt, obwohl es früher anders gewesen sein muss. Das letzte Reiche, wo die Figuren leben, wird vom Obersten Herrscher beherrscht, welcher schon Jahrhunderte alt ist und als Gott angesehen wird. Das Volk der Skaa wird unterdrückt und von dem Herrscher wie den Adligen als Sklaven gehalten. Dann gibt es noch Terriser, die die Bewahrer sind, Inquisitoren die Nebelinge der Skaa jagen etc. Also die Welt ist ebenfalls komplex, aber genauso gut durchdacht und einfach so lebendig, dass man sich tatsächlich vorstellen könnte, dass es so eine Welt gibt. Kelsier und Vin sind die beiden Perspektivenfiguren und dabei komplett unterschiedlicher.Kelsier ist schon etwas älter, ausgebildet in der Allomantie, hat die Gruben überlebt und seine Frau verloren und hat dennoch meist ein unbekümmertes Gemüt - so wirkt er zumindest nach außen. Von Anfang an ist klar, dass er die treibende Kraft in der Rebellion ist und darum sich auch als Anführer herausschält. Sein oberstes Ziel ist es den Obersten Herrscher und die Adligen zu vernichten. Er bringt Vin einiges bei, nicht nur in Sachen Allomantie, sondern auch in Vertrauen und Freundschaft. Ich mochte Kelsier unglaublich gerne. Er ist für mich eine Figur, die ich sofort ins Herz schließe. Es war für mich etwas schade, dass der Perspektivenanteil deutlich kleiner als der von Vin war. Ich hätte gerne öfter in seiner Sicht verweilt. Ich kann allerdings schon verstehen, warum man das so gemacht. Da Vin noch sehr unerfahren ist und vieles für sie neu ist, entdeckt man mit Vin die Allomantie und die Welt der Adligen.Vin wurde nach einer gewissen Zeit als Spionin bei den Adligen eingesetzt. Sie ist auf Bälle gegangen und musste sich dort eingliedern, um Informationen zu sammeln und Gerüchte zu verbreiten.Vin ist unter sehr schweren Umständen aufgewachsen. Verarmt und misshandelt unter der ehemaligen Diebesbande, bei der sie gelebt hat. Ihr Bruder Reen hat sie zu allem Leid auch noch im Stich gelassen, dass es ihr schwergefallen ist, überhaupt Vertrauen zu anderen aufzubauen. Doch Kelsier und seine Mannschaft, wie er die Mitstreiter, haben ihr gezeigt, was Zusammenhalt wirklich bedeutet.Beide Figuren, Kelsier und Vin, haben sich stark entwickelt. Während Vin selbstbewusster und vertrauensvoller wurde, ist Kelsier ernsthafter und zu einem starken Anführer herangewachsen.Die Nebenfiguren waren liebevoll dargestellt und ich mochte diese aus der Mannschaft eigentlich alle. Selbst Keuler, der eigentlich immer grummlig war, aber man konnte ihn dennoch nur liebhaben. Ich habe zwei kleine Kritikpunkte, die sich irgendwie auch verbinden lassen. Einerseits fand ich das Buch stellenweise schon etwas langatmig und damit schwerfällig zu lesen, weshalb es mich nicht ganz so sehr zu der Geschichte gezogen hat. Das passierte besonders, wenn Vin mal wieder auf einen Ball der Adligen war und mit ihrem Love-Interest angebandelt ist. Die kleine Liebesgeschichte war nicht einmal schlimm und hatte am Ende einen starken Sinn, aber ich fand die Bälle mit der Zeit einfach ermüdend.Viel spannender fand ich es, wenn Vin mit Kelsier unterwegs war und sie ihre allomantischen Kräfte angewandt haben. Zudem war es mir einfach zu wider, was mein zweiter Kritikpunkt war, wie sehr Vin nach einiger Zeit die Bälle und das adlige Leben gefallen hat. Klar, es war in gewisser Weise einfacher und dadurch hatte sie immer einen gefüllten Bauch, aber irgendwie hatte ich zu sehr das Gefühl, dass sie ihre Wurzeln langsam vergessen hat. Vin war selbstkritisch genug, dass sie das auch irgendwann erkannt hat (das Mädchen war16, später dann 17), aber es hat mir dennoch überhaupt nicht gefallen. Ich würde sie nicht einmal als besonders naiv bezeichnen, denn für ihr Alter war sie, durch die schlimmen Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit, sehr reif. Letzten Endes hat sie mir ein paar Augenrollmomente gebracht. Anfangs war sie so störrisch, da konnte ich teils auch nur den Kopf schütteln, und dann auf eine ganz andere stur.Aber ich mochte Vin sehr. Sie war eine tolle Protagonistin mit der man zusammen die Welt und die Magie entdecken konnte. Fazit:Das war ein sehr guter Einstieg in die Reihe. Der bildhafte Schreibstils des Autors gefällt mir, wie auch die aufgebaute Atmosphäre, die Entstehung der Welt und der Magie, sowie die Figuren. Mir war es nur streckenweise etwas zu langatmig und bei Vin habe ich ab und zu etwas die Augen verdreht. Umso mehr hat mir Kelsier gefallen, obwohl er auch deutliche Macken hat, die mich aber nicht weiter gestört haben. Aus seiner Sicht hätte ich gern mehr gelesen. Ich vergebe 4,5 Sterne.