Eine nette Mischung aus Frauenroman und Thriller ¿ besonders die clevere weibliche Antagonistin gefiel mir.
"Am dunkelsten Tag" habe ich vor einigen Jahren (2021?) bereits einmal begonnen, recht bald jedoch wieder weggelegt, da der Amoklauf, für den ich mich hauptsächlich interessiert hatte, nach neunzig Seiten endete; es folgte ein dreijähriger Sprung - und bei mir eben ein fünfjähriger.Das Attentat war spannend geschildert. Durch rasche Perspektivwechsel kam die Hektik im Kaufhaus gut rüber und man blieb als Leser über die Vorgänge an verschiedenen Orten der Mall informiert. Ich erinnerte mich noch gut an die Szenen mit Simone am Kiosk sowie Reece am Sonnenbrillenstand.(SPOILER) Nach dem Tod aller drei Schützen blieb die Schwester des Haupttäters Patricia, das kriminelle Mastermind, als Antagonistin zurück. Sie hatte das Massaker nicht nur initiiert, sondern konzentrierte sich nun auch darauf, es zu Ende zu führen. Mit unzähligen Perücken und Verkleidungen brachte sie einen Überlebenden nach dem anderen zur Strecke, was sich fast wie ein Thriller las.Auf der Gegenseite erfuhr man, wie Simone mit den Folgen ihrer Erlebnisse kämpfte, zu allem Überfluss gleichzeitig im Streit mit ihren Eltern über die Gestaltung ihrer Zukunft und in Konkurrenz mit ihrer neiderfüllten Schwester Natalie. Sie zog zu ihrer Großmutter CiCi auf eine Insel vor dem Festland, wo sie sich wie diese voll der Kunst widmen wollte.Nach rund zweihundert Seiten wurde Patricia von Reece, inzwischen Beamter bei der örtlichen Polizeistelle, enttarnt, als sie bei einer Hausbesichtigung auf ihn schoss. Zwar entkam sie, doch hatte die Bedrohung für die Öffentlichkeit fortan einen Namen, was dem Plot definitiv guttat, sonst hätte man den Protagonisten gegenüber als Leser ständig einen enormen Wissensvorsprung gehabt.Reece kam im Laufe seiner Kur mehrmals auf die Insel, die CiCi und Simone bewohnten, wobei er Ersterer am Strand begegnete. Er verliebte sich in die deutlich ältere Frau, was dann irgendwie auf ihre Enkelin übersprang. Als wäre das nicht seltsam genug, flirtete er weiterhin mit CiCi, ebenso in Simones Anwesenheit und zumeist recht sexuell geprägt, wenngleich sich die beiden Damen nicht daran störten, ja, gar freudig darauf eingingen.Man merkte dem Buch in dieser Phase an, dass es eher ein Roman als ein Thriller war, denn neben Reeces Ermittlungsarbeit als neuer Inselpolizeichef drehte es sich viel um die Liebe, das Renovieren seines Traumhauses oder Simones künstlerische Darstellung der Amoklaufopfer in Form von Skulpturen. Patricia blieb dabei die ganze Zeit unterschwellig eine Bedrohung, und durch den angenehmen, flotten Schreibstil der Autorin wurde die Geschichte auch nicht langweilig, (SPOILER ENDE)Das Ende kam dann wie erwartet: Große Überraschungen gab es nicht; ein wenig Dramatik und schließlich jede Menge Ausgelassenheit.Fazit: "Am dunkelsten Tag" kriegt von mir gute vier Sterne. Patricia war als Antagonistin sehr interessant, das Setting der Insel malerisch und die Entwicklung von Reece, Simone sowie CiCi schön mitzuverfolgen.Noch eine kleine Anmerkung: Auf Seite 149 steht "indem" statt "in dem".