Was für ein brillant geschriebenes Sachbuch! "Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl" ist weit mehr als eine nüchterne Einführung in künstliche Intelligenz (KI) und Algorithmen: Es ist ein leidenschaftlicher, verständlicher und unterhaltsamer Appell an uns alle, in unserer digital vernetzten Welt nicht länger unbedarfe Nutzer*innen zu bleiben, sondern zu verstehen, wie Algorithmen funktionieren und bei Bedarf Einfluss auf Politik und Wirtschaft auszuüben. Katharina Zweig gelingt es meisterhaft, komplexe technische und gesellschaftliche Zusammenhänge so zu erklären, dass ich als Laie nicht nur folgen kann sondern dabei auch noch Spaß habe.Zweig zeigt, wie Algorithmen unseren Alltag prägen - von Navigations-Apps über Empfehlungssysteme auf online-Marktplätzen bis hin zu polarisierenden Entscheidungen in Wirtschaft und Politik. Mit klaren Beispielen, anschaulichen Illustrationen und einer Prise Humor entmystifiziert sie schwer zugängliche Konzepte wie Training Bias, Data Mining oder Interpretierbarkeit und macht deutlich, warum es so wichtig ist, diese Systeme zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. Was dieses Buch besonders auszeichnet, ist die Fähigkeit der Autorin, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch ein Gefühl für Relevanz zu schaffen: Zweig erklärt nicht nur, was Algorithmen tun, sondern vor allem, wo sie versagen können - und wo wir selbst gefragt sind, um ihre Auswirkungen zu kontrollieren und verantwortungsvoll zu gestalten. Sie geht weit über technische Details hinaus und diskutiert ethische, gesellschaftliche und politische Aspekte, die uns alle betreffen. Die beeindruckende Vita der Autorin zeigt, dass sie weiß, worüber sie schreibt: Katharina Anna Zweig ist nicht einfach eine Wissenschaftlerin, sondern eine der profiliertesten Stimmen in Deutschland, wenn es um Algorithm Accountability geht. Sie studierte Biochemie und Bioinformatik in Tübingen, promovierte in theoretischer Informatik und hat seit 2012 eine Professur an der RPTU Kaiserslautern inne, wo sie unter anderem den einzigartigen Studiengang Sozioinformatik mitbegründet hat - ein Feld, das die Wechselwirkungen zwischen Technologie und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Zweig ist vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und berät Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Fragen der KI-Ethik. Ihre Expertise spiegelt sich in jeder Zeile des Buches wider: fundiert, reflektiert und gleichzeitig absolut verständlich. Fazit: Ein inspirierendes und zugleich kluges Buch, das zeigt, wie künstliche Intelligenz funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und warum wir alle Teil dieser Debatte sein sollten. Ein Must-Read für alle, die in der digitalen Welt mitreden wollen!