Auf den Erfolg den Vorgängerbandes "1793" war offenbar niemand vorbereitet. Mit seiner Mischung aus typisch finsterem skandinavischem Thriller und dreckigem Historienkrimi stand er in der umgesetzten Kompromisslosigkeit ziemlich einmalig da. Das Ende schien eindeutig, anders ist es kaum zu erklären, dass Niklas Natt och Dag eine ziemlich tote Figur wieder mehr oder weniger ins Rennen schickt. Ohne zu viel verraten zu wollen: Neben Mickel Cardell ermittelt auch Winge wieder, wenn auch etwas anders als man ahnt.Das Duo gewinnt eine etwas andere Dynamik als im Vorgängerband, doch der Kunstgriff um sie zusammenzubringen wirkt in seiner Einfallslosigkeit recht abgenutzt. Dafür schockiert die Handlung den Leser mit einer zum ersten Band passenden Beschreibung Stockholms als Moloch der Vormoderne, in der menschenverachtende Verbrechen möglich sind, wie sie eher zu den Feudalherren des finstersten Mittelalters oder psychopathischen Killern der Gegenwart passen würden.Keine Frage - der Autor hat hier einen Nerv getroffen und seine Handlungsstränge im Griff, selbst wenn mehrere Kapitel am Stück die Ermittlungen links liegen lassen. Für normale Krimifans oder Histroienfreunde ist das Buch wahrscheinlich zu krass, man sollte sich auf Gewaltspitzen und abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit wie in Büchern von Stieg Larsson oder Stephen King einstellen. Keine Figur wird geschont, egal ob Ermittler, Opfer, Kind oder Erwachsener.Happy Ends hat Niklas Natt och Dag nicht nötig und es dürfte kein Spoiler sein zu verraten, dass man sich lieber keins erhoffen sollte. Damit untergräbt er jedoch das Alleinstellungsmerkmal des ersten Buchs, das jetzt einfach nur ein Trilogieauftakt ist. Wie heftig auch immer Band drei ausfallen mag, neu ist die Idee dann schon lange nicht mehr. Und auch Band zwei scheint diese Tatsache mit noch mehr, teils unnötiger Gewalt kompensieren zu wollen um im wahrsten Sinne des Wortes die Hardcore-Fans zu fesseln. Alle andere dürften sich abwenden, sei es aus Ekel oder Langeweile.