Ein richtig mitreißender und atmosphärischer Schauerroman mit Happy End. Ich habe dieses Buch sehr gemocht.
Inhalt:Überraschend erhält Noemí einen äußerst merkwürdigen und unheilvoll klingenden Brief von ihrer Cousine Catalina, die sie schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hat. Catalina bittet Noemí um Hilfe, denn sie fühlt sich bedroht und ihr geht es zunehmend schlechter. Als Noemí beschließt der Sache auf den Grund zu gehen ahnt sie nicht, welches Grauen sie dort erwartet...Dieses Haus war düster, genau wie die Leute, die in ihm lebten. (S. 51)"Es gibt schwere Orte. Orte, an denen selbst die Luft schwer ist, weil das Böse in ihr lastet." (S. 183)Die Welt schien um sie herum auseinanderzufallen, sich in ein wirres Durcheinander zu verwandeln, in dem ihre Träume in ihre wachen Stunden eindrangen. (S. 273)Meine Meinung:Beinahe hätte ich diesem Buch gar keine Chance gegeben, weil die Bewertungen recht durchwachsen waren. Das wäre aber ein großer Fehler gewesen! Das Buch hat aus meiner Sicht eindeutig eine bessere Durchschnittsbewertung verdient und ich bin wirklich froh, dass ich es gelesen habe!Die Geschichte hat mich recht schnell in ihren Bann gezogen. Nachdem Noemí den nichts Gutes verheißenden Brief bekommen hat macht sie sich auf den Weg zu ihrer Cousine. Handlungsschauplatz der nun folgenden Geschehnisse ist das abgelegene, verwinkelte, leicht verwahrloste und düstere herrschaftliche Anwesen "High Place". Da es dort noch immer keinen Stromanschluss gibt ist man nach wie vor auf Öllampen und Kerzen angewiesen und das verstärkt die unheimliche und düstere Aura, die von dem Ort ausgeht. Auch der nahegelegene Friedhof und gelegentlich auftretender Nebel tragen ihr Übriges dazu bei eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen.Je mehr Zeit Noemí in High Place verbringt desto mehr häufen sich für sie unerklärliche und beunruhigende Geschehnisse. Catalina macht merkwürdige Andeutungen über das was in dem Haus umgeht. Sie erzählt, dass sie Stimmen hört und Dinge sieht, die nicht erklärbar sind. Auch Noemí wir schon bald von seltsamen Träume heimgesucht in denen sich Schatten von lange zurückliegenden dramatischen Ereignissen zu manifestieren scheinen.Noemí zweifelt daran, dass sie der Familie Doyle trauen kann. Die Doyles scheinen einiges zu verbergen und in der Gegend erzählt man sich, dass ein Fluch auf der Familie lastet. Nach und nach erfährt Noemí, dass einige Mitglieder der Familie Doyle ein früher und tragischer Tod ereilt hat. Die Doyles mit denen es Noemí zu tun bekommt - allen voran Catalinas Ehemann Virgil - verhalten sich ihr gegenüber recht abweisend und wirken unnahbar. Sie sind für Noemí schwer zu durchschauen, dulden keine Widerrede, sind Noemí gegenüber misstrauisch und verhalten sich mitunter irritierend. Außerdem spielen die Doyles Noemís Sorge um Catalina herunter und tun diese als übertrieben ab. Sie scheinen Noemí schnellstmöglich wieder loswerden zu wollen.Noemí ist eine tolle Protagonistin. Als man sie kennenlernt hält man sie vordergründig für eine recht oberflächliche, naive, etwas gefühlskalte und egoistische Person. Partys und ein Leben im Luxus scheinen das einzige zu sein, was sie interessiert. Man merkt dann aber schnell, dass Noemí ein gutes Herz hat und dass weit mehr ihr steckt als es zunächst den Anschein hat. Sie ist reflektierter, nachdenklicher und verantwortungsvoller als erwartet. Sie besucht viele Partys, weil sie damit versucht ihre innere Leere zu füllen und ihre unerfüllte Sehnsucht nach Liebe zu verdrängen. Noemí nimmt viel auf sich um ihrer Cousine Catalina beizustehen und um sie zu retten. Dabei beweist sie Mut und trotz Widrigkeiten. Sie ist nicht bereit Catalina einfach aufzugeben und ist fest entschlossen für sie zu kämpfen. Das macht sie einem sehr sympathisch.In ihrer Sorge um Catalina ist Francis Noemís einziger Lichtblick. Er ist der Bruder von Catalinas Ehemann und das einzige Mitglied der Doyle-Familie, das ihr freundlich gesinnt ist und ihr hilft. Mit seiner introvertierten und melancholischen Art ist Francis eigentlich das genaue Gegenteil von Noemí. Obwohl Francis ein paar Jahre älter ist als Noemí hat er weit weniger von der Welt gesehen und verfügt längst nicht über so viel Lebenserfahrung wie sie. Zwischen den beiden entsteht dennoch schnell eine besondere Verbundenheit und sie verbringen viel Zeit zusammen. Es ist sehr rührend zu verfolgen wie die beiden sich anfreunden und wie sie schließlich Gefühle füreinander zu entwickeln scheinen. Dabei ist es besonders unterhaltsam wie Noemí zuweilen versucht den liebeswerten Francis aus der Reserve zu locken, was diesen zunächst etwas überfordert und verunsichert. Allerdings stellt sich für Noemí auch die Frage inwieweit ihr Francis Dinge über seine Familie verheimlicht. Kann sie ihm wirklich vertrauen? Würde er sich im Ernstfall für sie entscheiden oder zu seiner Familie halten? Das stürzt Noemí in ein Gefühlswirrwarr und lässt einem die Geschichte mit Spannung weiterverfolgen.Das Erzähltempo ist vergleichsweise langsam, aber das hat mich in keiner Weise gestört - im Gegenteil. Statt auf aufsehenerregende und imposante Schockmomente wird hauptsächlich auf eine subtile Art Spannung aufgebaut. Es wird auf eher "leise" Art eine gruselige Atmosphäre erzeugt ohne dass dies durch heftige Geschehnisse unterstrichen werden muss. Ich habe das sehr gemocht und es ist eine Art von Erzählweise wie man sie z. B. auch beiDraculafindet, denn auch dieses Buch baut langsam Spannung auf und bringt nicht gleich zu Anfang eine Szene in der Dracula über jemanden herfällt.Das Ende des Buches hat einen mitreißenden Showdown zu bieten und die Geschehnisse nehmen nochmal richtig Fahrt auf. Die gruselige und verstörende Enthüllung dessen was in High Place vor sich geht habe ich wahrlich nicht kommen sehen. Ich finde es toll, dass sich Silvia Moreno-Garcia hier mal etwas völlig anderes hat einfallen lasse, was mir so noch in keinem anderen Buch/Film begegnet ist. Wer es allerdings bevorzugt, dass sich alles anhand von Naturgesetzen erklären lässt, dem sei gesagt, dass sich in dem Haus Übersinnliches ereignet, das über die normale Vorstellungskraft hinausgeht.Es hat mich gefreut, dass es am Ende ein Happy End gibt, das einem letztlich mit einem positiven Gefühl das Buch zuschlagen lässt.Fazit:Ich habe das Buch sehr gemocht und bin richtig froh, dass ich ihm eine Chance gegeben habe. Wer auf der Suche nach einer atmosphärischen Gruselgeschichte mit Happy End ist, die weitgehend auf aufsehenerregende und plakative Schockmoment verzichtet, dem kann ich dieses Buch sehr ans Herz legen. Zum Schluss noch die schönsten Zitate aus dem Buch:In ihrem Herzen lauerte stets ein bisschen Furcht, Furcht vor so vielen Dingen, aber wenn sie mit Francis zusammen war, vergaß sie, sich zu fürchten. (S. 251/252)"Wir bleiben zusammen", erklärte sie bestimmt. "Wir bleiben zusammen, und du wirst nicht allein sein. Das kann ich versprechen." (S. 410)"Ich dachte, ich hätte dich nur geträumt", sagte er immer noch ein wenig schläfrig. "Ich bin real", murmelte sie. (S. 411)