Einfacher Schreibstil, gute Figuren, die noch etwas Tiefe vertragen und interessantes Profiling. Liebesgedöns häts für mich nicht gebraucht.
Cassandra Hobbes, genannt Cassie, ist ein Naturtalent. Sie kann Menschen analysieren und lesen. Daher eignet sich die 17jährige bestens für eine Profilerin. So wird sie eines Tages von einem FBI-Agenten eingeladen beim Programm "Cold Case Academy" teilzunehmen. Neben ihr befinden sich weitere vier Jugendliche dort, die ebenso ihr Talent mitbringen. Sie werden jemals in ihrer Fähigkeit ausgebildet werden und sollen sich mit Cold Cases beschäftigen. Cassie interessiert sich dabei für einen besonderen Fall - der Mord an ihrer Mutter vor fünf Jahren, der weder aufgeklärt wurde, noch jemals die Leiche gefunden wurde. Ich habe lange gezögert, zu dieser Reihe zu greifen. Allerdings mag ich Cold Cases, also Fälle die noch nicht abgeschlossen sind und Profiler. Criminal Minds habe ich immer sehr gerne angeschaut.Aber schon am Anfang hat sich herausgestellt, warum ich gezögert habe. Einerseits ist es kein Thriller, sondern ein Jugendbuch, was wohl an den jungen Protagonisten liegt. An sich war das kein Problem, da diese durch ihre besonderen Eigenschaften keine gewöhnlichen Jugendlichen waren. Allerdings ging es mir schon etwas auf den Keks, als sich da sehr früh ein Liebesdreieck gebildet hat und das nicht, weil es sich um zwei Love Interests handelt, sondern dass da überhaupt eine Liebesgeschichte eine Rolle gespielt hat. Es war einfach unnötig und nur, weil da ein neues Mädchen an die Akademie kommt, müssen sich doch nicht gleich beide Jungs in sie vergucken.Und weshalb ich auch erst einmal die Zähne geknirscht habe, war die Ich-Perspektive. Ich glaube, dass Buch hätte mir insgesamt einfach besser gefallen, wenn es eine personelle Sicht gewesen wäre. Cassie hätte ja ruhig die Perspektivenfigur sein können und nah an ihr dran sein können, aber so hat es mich immer etwas rausgebracht. Aber das ist ein persönliches Problem von mir mit der Perspektive und lege ich dem Buch nicht negativ aus.Der Schreibstil war einfach und zugänglich. Er war nicht so rasant, wie ich es bei James Patterson Büchern gewöhnt bin, aber dazu hat manchmal einfach die spannende Handlung gefehlt, weil ich es, wie schon geschrieben, nicht so prickelnd fand, wenn es um ihr Liebesdrama ging. Neben Cassie als Profiler gab es noch Dean, welcher schon länger an dem Programm teilnimmt, eine schwere Vergangenheit hat und wesentlich verschlossener als Cassie ist. Wenn sie zusammengearbeitet haben, hat sie sich am liebsten in das Opfer hineinversetzt, während er die Rolle des Täters übernommen hat, was schon sehr verrückt war, wenn man seine Vergangenheit kannte. Ich fand es allgemein seltsam, wie sie über den Täter gesprochen haben. Wenn sie sich in diesem hineinversetzt haben, dann haben sie aus der Du- bzw. Ich-Perspektive gesprochen. Ich fand das irgendwie sehr befremdlich und habe ich auch noch nie so gelesen. Es sollte dazu dienen, damit man nicht direkt einen männlichen Täter vor Augen hat, sondern auch einen weiblichen nicht ausschließt.Passend dazu gab es allgemein Zwischenkapitel aus der Sicht des Täters in der Du-Perspektive.An der Akademie befinden sich noch Michael, welcher Emotionen lesen kann, Sloan, die gut ist mit allen was Zahlen und Statistiken sind und Lia, die ganz präzise sagen kann, ob jemand lügt (und dabei selbst eine hervorragende Lügnerin ist).Die Dynamiken zwischen den Jugendlichen fand ich eigentlich recht gut, wobei die meisten doch recht blass geblieben sind. Ich hätte mir da manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch die Ausbilder blieben recht blass.Bei Cassie fand ich ihre Prognosen und Beobachten teils wild. Sie hat teilweise ganz spezifische Details aus manchen Personen gelesen, aber eine wirkliche einleuchtende Erklärung gab es für mich nicht. Das kam teils so aus der Luft gegriffen, während sie bei den Personen um sie herum, oft recht ahnungslos war. Das Ende war wild und hat mich überrascht. Ich könnte jetzt aber nicht mit Bestimmtheit sagen, ob im Positiven und Negativen. Wie ich die Analysen und die Herangehensweise der Profiler seltsam fand, war es das Ende ebenso. Allein, wer es am Ende war.... WIE? Ohne dass das längst aufgeflogen war? Fazit:Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen. Nachdem ich mich an die Ich-Perspektive gewöhnt habe, hat es sich gut lesen lassen. Mir hat die Tiefgründigkeit etwas gefehlt. Es wurde zwar teils angedeutet, aber es blieb dabei. Die Figuren gefallen mir, aber ich würde mir lieber eine tiefe Freundschaft wünschen, als romantische Gefühle. Es würde einfach besser passen. An das Profiling, wie es her gehandhabt wird, muss ich mich noch gewöhnen, aber es ist nicht schlecht - nur ungewöhnlich. Der erste Band war für ein 3,5 Sterne Buch und ich hoffe, dass sich noch etwas gesteigert wird.