Leider enttäuschend.Im Dezember 2024 bekam Dana von Suffrin den Tukan-Preis der Stadt München verliehen (Bild 2 und 3). Sie hielt damals statt einer Lesung eine Rede voll frechem Witz, "Entmutigungen" genannt, in der sie einige Zeitgenossen und Wegbegleiter mit bösem Spott bedachte. Sehr lustig! Vor Kurzem habe ich ihren Erstling "Otto" gelesen (vgl. Feed), die Geschichte eines Siebenbürger Juden (wohl angelehnt an die Geschichte ihres Vaters), der von Israel nach München zieht: traumatisiert und seine Familie traumatisierend. Mit viel traurigem Humor erzählt. Jetzt also mein zweites Buch der Autorin. Und eigentlich erzählt sie wirklich die ganze Geschichte "nochmal von vorne", mit anderen Schwerpunkten und mit leicht verändertem Personal. Aber im selben Stil: mit unendlich langen Parataxen, wieder und wieder angeschlossen durch "und". Was im Debütroman noch originell erschien und zu der Diktion des scheinbar mündlichen Erzählens durchaus passte, passt hier noch immer, aber es ermüdet. Wenn man "Otto" gelesen hat, kennt man die mäandernde Erzählweise und die lakonische Haltung der Ich-Erzählerin bereits. Durch die wiederholende Syntax geraten die Sätze ins Schwimmen. Immer wieder musste ich neu ansetzen, um den Faden nicht zu verlieren. Schade!Denn die Geschichte, die Dana von Suffrin hier erzählt, ist voll mit skurrilen, lustigen und traurigen Anekdoten. Es geht um die dysfunktionale Familie Jeruscher, ihren toxischen Alltag in München-Moosach und die Vergangenheit, die die Gegenwart durchsetzt. Die Ich-Erzählerin Rosa ist die jüngere der beiden Töchter. Sie muss nach dem Tod des Vaters die Wohnung ausräumen und mit ihrer früh aus der Familie verschwundenen Schwester in Kontakt treten. In ihrer Kindheit und Jugend leidet sie wie ihre Schwester unter den ewigen Streitereien der Eltern. Sie hätte so gerne ein harmonisches Familienleben. Der Vater war in Israel Chemiker, in Deutschland nur mehr Laborant. Ein Geizhals, der sich von Supermarktbrot mit Margarine ernährt und seine Teebeutel mehrfach benutzt. Die Mutter wollte eigentlich Geisteswissenschaftlerin werden, landet schließlich zwar an der Uni, aber im Sekretariat, und wird entlassen, als sie einen Angestellten als Eichmann beschimpft. Geld ist knapp. Die Mutter gibt es trotzdem gern aus, was unweigerlich zu Zwist führt. Schließlich verschwindet sie. Die Schwester (die im Roman blass bleibt) will sich dem Familienchaos entziehen, schafft es aber auch nicht.Eingerahmt wird die eigentlich traurige Geschichte der Familie von beinahe absurden historischen Begebenheiten, die den Ton des Romans setzen. Viel Münchner Lokalkolorit.