Literarisch sicherlich herausragend, doch stellenweise schwer lesbar und sich dahinziehend. Mir hätten 200 Seiten weniger gereicht.
Der Roman spiegelt das Leben der Familie rund um Cass, PJ, Imelda und Dickie wider, sie leben in Irland und ihnen ging es bis vor kurzem außerordentlich gut, doch nun holt die Wirtschaftskrise das ehemals profitable Autohaus von Dickie ein und er fährt ein Verlustgeschäft. Nebenbei haben alle Familienmitglieder mit ihren eigenen persönlichen Krisen zu Kämpfen.Cass ist eine intelligente junge Frau, die bald die Schule abschließt, sie hat jedoch eine enge Beziehung zu einer etwas toxischen Freundin, wie wir sie sicherlich alle aus unserer Jugend kennen. Sie gerät auf die falsche Bahn und lässt die Schule schlampen, spielt mit den Gefühlen von Jungen und trinkt und feiert viel. Ihren Eltern gibt sie alle Schuld und kommt besonders mit Dickie nicht mehr klar, den sie zu ihrem persönlichen Feind erklärt.PJ ist ein offener und lustiger Junge, der in der Familie etwas unter geht - die Schwester ignoriert ihn weitgehend, die Mutter ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt und seine Freunde in der Schule entwickeln sich in eine andere Richtung. Irgendwann hat er nur noch einen Online-Freund, der sich letztlich auch als falsch herausstellt. Etwas gutes hat das ganze jedoch: er verbringt viel Zeit mit seinem Vater und die beiden kommen sich näher.Dickie wollte nie wirklich das Autohaus übernehmen, kämpft mit Unsicherheiten hinsichtlich seiner sexuellen Neigungen und der Schuld, die seine Frau und Tochter ihm zu weisen. Er flüchtet sich in den Bau eines Bunkers mit einem Weltuntergangsfanatiker, nachdem er aus dem Autohaus entlassen wird. Imelda stammt aus einer schwierigen und gewalttätigen Familie, eigentlich wollte sie nie Dickie heiraten, sondern seinen Bruder. Sie nutze die Familie als Sprungbrett aus der Armut und leidet stark unter den Gewinneinbrüchen. Ihr liegt viel am Schein und Tratsch. Gleichzeitig fühlt sie sich ungesehen und leidet unter den Streitereien mit Dickie, die sie aber immer selbst hervorruft. Die unterschiedlichen Perspektiven lesen sich sehr unterschiedlich, teilweise aber recht schwer. Besonders bei Imelda, da ihre Sichtweise ohne Punkte und Komma geschrieben wurden. Ich fand es manchmal etwas anstrengend durch das Wirrwarr der verschiedenen Gedanken zu steigen, auch wenn sie gut widerspiegeln, wie es sich in Wirklichkeit in menschlichen Köpfen abspielt. Die Geschichte plätschert also so vor sich hin und wir beobachten wie immer schlechtere Entscheidungen getroffen werden und die Familie und alle anderen Personen sich immer weiter entfernen.Das Ende ist sehr wirr, und ehrlich gesagt habe ich nicht ganz verstanden, was genau geschehen ist, bis auf dass der Versuch, wieder als Familie zusammen zu kommen durch ein unglaubliches Missverständnis gefährdet wird und so wirken die letzten Seiten wie ein wahnsinniger Ritt in den Untergang.