Emotionaler Roman mit sensiblem Thema
kann Spoiler enthaltenIch hatte den Roman schon länger auf meiner Wishlist, allerdings war ich nie ganz sicher, ob ich ihn wirklich lesen möchte, da das Hauptthema durchaus triggernd sein kann. Das Buch beinhaltet und verarbeitet Aspekte aus Lena Jensens Leben, Themen, die sexuelle Gewalt und Missbrauch umfassen. Da ich einige Videos der Influencerin und Creatorin kenne, sind mir viele Parallelen aufgefallen, die gerade zu Beginn des Buches aufgetreten sind. Dennoch wurde am Anfang darauf hingewiesen, dass vieles anonymisiert wurde.Im Übrigen ist das auch mein erstes Buch von der Autorin Antonia Wesseling, die Lenas Geschichte fiktiv in einem Roman festgehalten und abgeändert hat.Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt - einmal wird von Ellies und Louis' Jugendzeit/Abizeit erzählt, dann gibt es einen Sprung von neun Jahren, in welchem ihre Leben als junge Erwachsene dargestellt wird. Ich muss ehrlich sagen, dass mich der Abschnitt über die junge Ellie etwas überrascht hatte, da der Klappentext diesen überhaupt nicht erwähnt. Eine Zeitlang war ich auch nicht ganz sicher, in welche Richtung die Geschichte geht, da sich der Beginn eher wie ein Young-Adult-Buch gelesen hat.Der Fokus der Geschichte ist die Beziehung zwischen Ellie und Louis, welche den Tropes Second Chance und Friends-to-Lovers zugeordnet werden kann. Normalerweise bin ich kein großer Fan von diesen Merkmalen, allerdings fand ich die Umsetzung ganz angenehm; nur zwischendurch war es mir etwas zu viel hin und her. Die Diskussionen und Gesprächen haben sich oft wiederholt und wurden für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge gezogen.Dennoch muss ich sagen, dass mich der Roman insbesondere ab der zweiten Hälfte packen konnte. Ich mochte die Spannung, die Ellies journalistischen Recherchen mit sich brachten, und auch die Zwickmühle, in der sie sich wegen Louis' Jobverhältnis befand.Trotzdem hatte ich ab dem Punkt das Gefühl, dass der Roman auch ohne den Anfang (= Ellies Abizeit) hätte auskommen können. Ihre Vergangenheit mit dem sexuellen Missbrauch geriet ab der zweiten Hälfte immer mehr in den Hintergrund und war da irgendwie viel weniger zu spüren als zu Beginn, wo das Trauma noch einen größeren Raum eingenommen hatte. Vielleicht sollte auch genau das literarisch rübergebracht werden, um die Distanz und die Entwicklung zu symbolisieren, aber irgendwie haben Teil 1 und Teil 2 für mich etwas zusammenhanglos gewirkt.Dennoch konnte mich das Buch fesseln und auch emotional berühren. Ich denke, dass hier auf wesentliche Probleme von Machtmissbrauch oder Missbrauch jeglicher Art aufmerksam gemacht wurden und gerade das die Problematiken der Arbeitswelt und gewisser Machtbeziehungen ausgedrückt hat.Von mir gibt es 4 Sterne.