Atmosphärisch stark, aber viel zu langatmig: Hotel Ambrosia wird erst spät spannend und verschenkt davor enormes Potenzial.
Der Klappentext von Hotel Ambrosia hat mich sofort neugierig gemacht. Ein geheimnisvolles Hotel mit dunkler Vergangenheit, eine Entführung, True Crime vibes und eine Protagonistin, die alles aus dem Fenster beobachtet. Dazu kommt ein enormer Hype rund um das Buch. Meine Erwartungen waren also entsprechend hoch.Die Geschichte dreht sich um Robyn (17), die aufgrund einer Erkrankung ihre Wohnung nicht verlassen kann. Als True-Crime-Fan beobachtet sie das gegenüberliegende Hotel Ambrosia mit dem Fernglas und kennt nicht nur die Routinen der Angestellten, sondern auch viele der düsteren Geschichten, die das Hotel umgeben. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wird sie von ihrer Großtante Nelly großgezogen, die als Krankenpflegerin arbeitet und eine wichtige Stütze für Robyn ist.Spannend wird es, als Robyn Zeugin einer Entführung wird und das Opfer keine Unbekannte für sie ist. Da sie selbst nicht handeln kann, schickt sie A.J. ins Hotel: einen obdachlosen jungen Erwachsenen, (der eigentlich bei ihr eingebrochen ist), mit viel Humor, schlagfertigen Kommentaren und einem eigenen dunklen Geheimnis.Das Setting ist definitiv die große Stärke des Buches. Das Ambrosia wirkt düster, bedrohlich und voller ungelöster Geheimnisse. Gerade zu Beginn erfährt man nur wenig über das Innere des Hotels, was eine schöne, unheimliche Atmosphäre schafft. Leider bleibt es sehr lange genau dabei: Atmosphäre statt Handlung. Über mehr als die Hälfte des Buches zieht sich die Geschichte extrem. Es passiert wenig, die Spannung kommt kaum in Gang, und vieles fühlt sich unnötig gestreckt an. Erst ab etwa 60 % nimmt der Plot endlich Fahrt auf, dann wird es auch wirklich spannend, wenn auch teilweise vorhersehbar.Ein großes Problem für mich war die Hauptfigur. Robyn konnte mich emotional kaum abholen und hat mich ehrlich gesagt über weite Strecken eher genervt. Ganz anders A.J.: Er war für mich das Highlight des Buches. Ohne seine humorvollen Kommentare und seine Präsenz wäre Hotel Ambrosia für mich deutlich flacher ausgefallen. Zusätzlich sind mir einige Logikfehler aufgefallen und die thematische Tiefe blieb für mich überschaubar. Wenn man es zusammenfassen will, landet man irgendwo bei "Vertraue niemandem".Mein Fazit: Hotel Ambrosia ist kein schlechtes Buch, aber der Hype erschließt sich mir nicht. Als Young-Adult-True-Crime-Krimi funktioniert es solide und eignet sich gut für Thriller-Einsteiger:innen. Wer jedoch konstanten Nervenkitzel erwartet, sollte die Erwartungen deutlich herunterschrauben.