Auch den zweiten Teil fand ich wieder wahnsinnig spannend und fesselnd, aber erneut auch sehr frustrierend in einzelnen Aspekten.
Lyra hätte es eigentlich besser wissen sollen, als sie sich mit Gottheiten auf Wortgefechte eingelassen hat. Oder sich in den König der Unterwelt verliebt hat. Und trotzdem findet sie sich im Tartaros in einem göttlichen Todesmatch wieder, bei dem sie der verfluchte sterbliche Preis ist und gegen Monster antreten muss, die all ihre vorherigen Gegner barmherzig wirken lassen. Der Tartaros ist das Gefängnis der Titanen, die nach Jahrhunderten in Gefangenschaft auf Rache sinnen. Sie muss sich befreien, ohne die Titanen entkommen zu lassen und bevor Hades jede Regel bricht, die die Gottheiten je geschrieben haben. Denn um Lyra zu retten, würde der Gott der Toten die Welt in Schutt und Asche legen.Nach dem fiesen Cliffhanger im ersten Teil konnte ich es kaum erwarten, zu erfahren, was im zweiten Teil auf uns zukommen würde.Leider kam ich dann aber gar nicht so gut in die Geschichte rein, da wir direkt in die Geschehnisse hineingeworfen werden, alles drunter und drüber zu gehen scheint und wir erst mal gar keine Erklärung bekommen, darüber was überhaupt los ist.Das hat mir nicht sonderlich gut gefallen.Dafür wurde es natürlich sehr schnell wieder sehr spannend und gefährlich, denn natürlich muss Lyra nun, nachdem sie alle Gefahren im Crucible überstanden hat, erneut ständig um ihr Überleben kämpfen. Dieses Mal eben im Tartaros.Währenddessen ist Hades außerhalb der Tore des Tartaros natürlich außer sich und wäre durchaus bereit alles zu tun, um Lyra dort wieder rauszuholen.Ein klein wenig hat es mich auch gestört, dass es hier schon wieder für Lyra darum ging, verschiedene lebensgefährliche Aufgaben nacheinander zu bestehen, um die Schlösser zu öffnen und aus dem Tartaros rauszukommen. Das hat mich zu sehr an die Heldentaten im ersten Teil erinnert.Glücklicherweise wurden nicht alle dieser Aufgaben so detailliert und ausladend beschrieben wie im ersten Teil. Teilweise gab es sogar nur eine kurze Zusammenfassung, was Lyra erwartet hat und wie sie die Aufgabe gemeistert hat. Genau das hatte mich nämlich im ersten Teil immer wieder etwas gestört, weil zwar alle Aufgaben wahnsinnig gefährlich waren, aber dadurch auch eben irgendwie schnell langweilig geworden sind, da es vom Grundprinzip immer gleich abgelaufen ist.Hier gab es nämlich noch so unfassbar viele andere Handlungspunkte neben diesen Aufgaben, dass ich wirklich froh war, dass wir uns nicht zu sehr in diesen verlieren mussten, sondern eben mehr Zeit und Raum für alles andere blieb.Schnell wurde nämlich klar, dass wir es hier mit Zeitreisen (in die Vergangenheit) zu tun haben - wovon ich niemals ein großer Fan bin -, war aber auch gespannt zu erfahren, was diese Ausflüge in die Vergangenheit für die Geschehnisse im ersten Band bedeuten würden.Denn es wurde ebenfalls schnell deutlich, dass im ersten Teil einiges nur passiert ist, wegen genau dieser Vergangenheitsausflüge.Erneut war ich also meist gefangen zwischen "Verdammt, ist das spannend!" und "Das ist so frustrierend!".Also ganz wie im ersten Teil.Toll fand ich ja, dass wir hier noch tiefer in die griechische Mythologie eintauchen durften und damit ordentlich gespielt wurde, denn natürlich durfte Lyra heraus finden, dass der große Kampf zwischen den Titanen und den griechischen Göttern so gar nicht abgelaufen ist, wie die gesamte Welt (und die anderen Pantheons) das bisher dachten.Das ganze Worldbuilding war wirklich gelungen und auch, dass immer wieder einige Aspekte aus dem ersten Teil aufgegriffen worden sind, die dort noch nicht ganz erklärt worden sind oder sogar nur angedeutet worden sind, hat mir sehr gefallen. Dadurch haben sich diese beiden Teile wirklich sehr schön ergänzt und wir durften einige der Geschehnisse aus dem ersten Teil noch mal aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten - was mich an einigen Stellen aber auch etwas zwiegespalten zurückgelassen hat, da im Grunde so das ganze erste Buch eigentlich eine andere Geschichte erzählt hat. Mal wieder: spannend aber frustrierend!Auch Lyras Entwicklung hat mir gefallen. Zwar wurde im Verlaufe des Buches klar, dass sie mit ihren neuen Kräften etwas zu sehr in die Kategorie der "Auserwählten" fällt, da sie mehr als eine neue Kraft bekommt, aber es war eben auch einfach zu spannend, als das ich mich wirklich daran hätte stören können.Auch Hades lernen wir hier - vor allem durch die Vergangenheitsausflüge - immer besser kennen und die Beziehung der Beiden wurde für mich dadurch auch viel greifbarer. Während sie im ersten Teil zwar eine tolle Chemie für mich hatten, habe ich nicht wirklich verstehen können, was ein so alter und mächtiger Gott an einer Sterblichen dermaßen faszinierend finden sollte.Diese ganze Beziehung wurde mir hier wirklich glaubhaft gemacht, sodass ich auch wirklich gut mit ihnen mitfiebern konnte.Einige Twists waren sehr offensichtlich, andere Dinge waren herrlich überraschend. Es gab besonders im Mittelteil wieder einige Längen und es wurden erneut einige Aspekte noch nicht ausreichend geklärt und ich hätte mir mal wieder etwas weniger Herzschmerz gewünscht. Das Ende hatte wieder ganz viel Spannung und schlussendlich erneut einen fiesen Cliffhanger, der mich nun den dritten Teil ungeduldig erwarten lässt.Fazit: Der zweite Teil ist wieder wahnsinnig spannend und fesselnd erzählt, auch wenn diese ganze Zeitreisegedöns eigentlich nicht meins ist. Es hat definitiv für neue Blickwinkel bezüglich einiger Geschehnisse aus dem ersten Teil gesorgt, welchen ich allerdings ein wenig zwiegespalten gegenüberstehe, da viele Geschehnisse nun so ganz anders wirken.Auch dass Lyra schon wieder einige Aufgaben im Sinne der Heldentaten aus dem ersten Teil durchlaufen musste, war zwar spannend, aber eben auch sehr frustrierend und hat meinem Empfinden nach für ein paar Längen gesorgt. Außerdem wurde Lyra durch ihre neuen Kräfte ein ganz klein wenig zu sehr in die Rolle der übermächtigen Retterin gedrängt.Zudem scheinen wir zum Schluss erneut in einer fiesen und frustrierenden Situation festzusitzen, aber immerhin hat Hades schon einen Plan. Ich bin gespannt und genau diese (An)Spannung lässt mich auch noch einmal vier Sterne vergeben, weil ich trotz aller Kritikpunkte am Ende eben doch einfach nur noch wissen will, wie es wohl weitergehen wird.