Dunkler, komplexer, schmerzhafter: The Things Gods Break treibt Mythos, Macht und Opfer auf die Spitze.
Mit The Things Gods Break - Schattenverführt führt Abigail Owen ihre mythologisch grundierte Romantasy konsequent fort und setzt unmittelbar an das Ende des ersten Bandes an. Die Protagonistin Lyra findet sich im Tartaros wieder, einem Gefängnis der Titanen, in dem sie nicht nur physische Prüfungen bestehen muss, sondern auch mit Schuld, Verlust und existenziellen Entscheidungen konfrontiert wird. Der Roman verschiebt den Schwerpunkt dabei deutlich von der romantischen Spannung hin zu einer düsteren Auseinandersetzung mit Macht, Verantwortung und Zeit.Owen erweitert das erzählerische Universum erheblich: Neben der griechischen Mythologie treten weitere Pantheons, Titanen und neue Figuren auf, was das Worldbuilding verdichtet, den Text jedoch zugleich komplexer macht. Besonders die Einführung eines zeitlichen Manipulationsmotivs verleiht der Handlung eine neue Dimension und verbindet Ereignisse rückwirkend mit dem ersten Band. Dieses erzählerische Mittel ist ambitioniert und stellenweise wirkungsvoll, verlangt jedoch hohe Aufmerksamkeit und führt phasenweise zu einer Überfrachtung der Handlung.Thematisch überzeugt der Roman durch seine konsequente Darstellung von Schmerz, Selbstzweifel und Loyalitätskonflikten. Lyra bleibt eine ambivalente Figur, deren innere Zerrissenheit glaubhaft ausgearbeitet ist, auch wenn sie in ihrer Entwicklung zeitweise stagniert. Die Beziehung zu Hades tritt stärker in den Hintergrund, was dramaturgisch zur Situation passt, emotional jedoch einen Verlust an Intimität und Spannung bedeutet. Stattdessen gewinnen Nebenfiguren und insbesondere einzelne Titanen an erzählerischem Gewicht.Stilistisch bleibt Owen ihrer bildgewaltigen, dynamischen Sprache treu. Die zahlreichen Prüfungen und Konfrontationen erzeugen eine hohe Intensität, wirken in ihrer Häufung jedoch stellenweise repetitiv. Das Finale setzt erneut auf einen drastischen Cliffhanger und unterstreicht den seriellen Charakter der Reihe.Insgesamt ist The Things Gods Break eine ambitionierte, dunklere Fortsetzung, die durch mythologische Erweiterung und emotionale Härte besticht, zugleich aber unter narrativer Überladung leidet. Der Band richtet sich klar an Leser:innen, die komplexe Romantasy mit hohem Einsatz und tragischem Ton schätzen.