Ein emotionaler Roman, den man nicht einfach so liest
"Die Frauen der Familie" von Katherena Vermette ist ein eindringlicher, fordernder Roman, der bewusst keine leichte Lektüre sein will. Die Geschichte entfaltet sich über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren, inklusive Rückblenden, und wird ausschließlich aus der Perspektive von Frauen erzählt. Dadurch entsteht ein sehr intimer, oft schmerzhafter Blick auf generationsübergreifende Verletzungen.Besonders stark - und für mich auch am schockierendsten - ist die Storyline rund um Phoenix. Ihre Erfahrungen haben mich emotional umgehauen. Die dargestellten Ereignisse sind roh, schonungslos und teilweise schwer auszuhalten. Mehr als einmal musste ich das Buch zur Seite legen. Gerade diese Härte macht den Roman aber auch so wirkungsvoll.Ein zentraler Aspekt ist zudem die indigene Geschichte, die leise, aber konstant mitschwingt. Sie verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe und macht deutlich, wie sehr Vergangenheit, Verlust von Identität und strukturelle Gewalt bis in die Gegenwart hineinwirken. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie Traumata weitergegeben werden, selbst dann, wenn die Figuren versuchen, es anders zu machen.Auffällig und konsequent durchgezogen ist, dass alle Frauen der Familie sehr jung schwanger werden und kaum eine echte Bindung zu ihren Kindern aufbauen können. Das wirkt zunächst verstörend, ergibt im Kontext ihrer eigenen Erfahrungen jedoch eine traurige, nachvollziehbare Logik. Nähe scheint für diese Frauen etwas Gefährliches zu sein - etwas, das sie nie gelernt haben.Fazit:<br data-start="1676" data-end="1679">Ein gutes, intensives Buch mit viel emotionaler Wucht, starken weiblichen Perspektiven und gesellschaftlicher Tiefe. Mich hat es beeindruckt, aber auch stellenweise überfordert. Keine leichte Lektüre, dafür eine, die lange nachwirkt. Für Leser*innen, die sich auf schwere Themen einlassen können, absolut lesenswert - für sensible Gemüter jedoch mit Vorsicht. An diesem Buch habe ich sehr lange gelesen und musste viele Pausen einlegen.