Emotionaler Abschluss der Trilogie
Nachdem mir die ersten beiden Teile dieser Trilogie sehr gefallen haben, war natürlich auch der Abschlussband ein MUST READ für mich.Julianna kehrt nach ihrer Zeit in London zurück nach Wien. Sie ist voller Vorfreude auf ihre Zukunft mit Leopold und der geplanten Eiskunsthalle. Doch bei ihrer Ankunft wird sie weder erwartet, noch ist der Eispalast so weit fertig gestellt, wie sie erwartet hat. Leopold hat in der Zwischenzeit die Tuchfabrik verkauft und sich immens verschuldet. Um ihren großen gemeinsamen Traum verwirklichen zu können, beginnt Julianna in der nahen Ziegelfabrik zu arbeiten. Dort wird sie mit schlimmen Arbeitsbedingungen konfrontiert und schließt sich der Arbeiterbewegung an. Leo ist damit nicht wirklich einverstanden, obwohl die geplante Eröffnung immer näher rückt. Eine zusätzliche Intrige stellt ihr Glück noch mehr auf die Probe....Auch Nikolett kämpft um ihre zukünftige Hochzeit mit Janos, die ihrer Mutter ein Dorn im Auge ist. Nikolett soll mit ihrer Mutter und dem Dienstmädchen bei einer Jagdgesellschaft teilnehmen, die jedoch mit einem Eklat endet und den Bruch mit Nikoletts Eltern herbeiführt. Die Handlung wird aus der Sicht von Julianna, Nikolett, Katalina und Leopold erzählt. Dadurch erhalten wir viele verschiedene Eindrücke und Gedanken. Über jedem Kapitel steht der Name des jeweiligen Erzählers.Die Leidenschaft für das Eislaufen ist wieder der rote Faden der Geschichte und hat mich aus jeder Sicht hervorragend unterhalten. Der Versuch erstmals eine Eishalle zu bauen und Kunsteis zu produzieren, fand ich sehr interessant.Neben dem Eiskunstlauf spielen die Arbeitsbedingungen im Ziegelwerk ebenfalls eine wichtige Rolle. Die ersten Streiks gegen die Ziegelbarone, die ihre Arbeiter ausbeuten, finden hier ebenfalls Platz und beruhen stellenweise auf wahre Begebenheiten. Der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und der Wunsch von Frauen nach mehr Selbstbestimmung, das Misstrauen gegenüber neuer technischer Errungenschaften bestimmen den Alltag.Die gesellschaftlichen Konventionen und der Unterschied zwischen Adel, Neureichen und der normalen Arbeiterschicht wird ebenfalls zum Thema, wie bereits in den Vorgängerbänden. Julianna und Nikolett sind dabei zwei Figuren, die sich über die gesellschaftlichen Normen hinwegsetzen. Nikolett liebt einen Mann aus der unteren Schicht und Julianna ist als ehemaliges Dienstmädchen für Leo eigentlich tabu.Aber auch Katalina hat mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten zu kämpfen. Sie verliebt sich in ihren Klavierlehrer und trifft eine für sie folgenschwere Entscheidung.Der Schreibstil der Autorin ist wieder wunderbar bildhaft und lebendig. Manche Ereignisse sind etwas vorhersehbar, doch kurz danach gelingt es Rena Rosenthal uns mit einer völlig überraschenden Wendung zu verblüffen. Manche Ereignisse fand ich für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien zur Kaiserzeit etwas unrealistisch. Hier musste ich ein Auge zudrücken...Man kann diesen Abschlussband auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber ich empfehle die Vorgängerbände zu lesen, um die Figuren besser kennenzulernen.Am Ende gibt es ein Nachwort der Autorin mit Erklärungen, was auf historischen Begebenheiten beruht und welche Personen sie für ihren Roman inspiriert haben. Dazu gibt es Bilder der damaligen Mode, den ersten Eisbahnen und der damaligen Plakatkunst, die in die Zeit des Wiener Jugendstils fiel (von dem ich ein großer Fan bin).Fazit:Ein emotionaler Abschluss der Trilogie, die mich sehr gut unterhalten hat. Insgesamt sind die Romane aus der Reihe "Der Eispalast" eine wunderbare Zusammenfassung über die Geschichte des Eiskunstlaufs und dessen Entwicklung. Ich empfehle sie gerne weiter!