Ein spannender Fall in Berlin, der uns tief in mysteriöse Kreise katapultiert und eine ganz eigene Welt offenbart. Ein historischer Kriminalroman für True-Crime-Fans und alle, die sich für die Gerichtsmedizin interessieren. Mich fasziniert seit Jahren vor allem die Zeit und das gesellschaftliche Leben in Berlin um die Jahrhundertwende. Es besteht deshalb immer die Gefahr, dass einen viel Altbekanntes langweilt, doch das war hier Gott sei Dank nicht der Fall. Im Mittelpunkt des Romans steht Perdita Menke, die Totenleserin. Sie ist Gerichtsmedizinerin, auch wenn ihr, wie sie selbst sagt, das Zertifikat fehlt. In der Gerichtsmedizin aufgewachsen, ist sie früh mit dem Metier vertraut. Sie will beweisen, dass die junge Frau nicht den Freitod gewählt hat, sondern ermordet wurde. Bei ihren Ermittlungen trifft sie auf den Bestatter Charon Czerny. Zwischen unbestreitbarer Anziehungskraft und vielen Geheimnissen müssen Perdita und Charon ermitteln. Der Roman gliedert sich in drei Teile und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass wir zu mehreren Figuren eine gute Verbindung aufbauen können. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen; er überzeugt vor allem durch eine recht authentische Sprache und den Berliner Dialekt. Besonders gut gefallen hat mir das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Perdita und Charon, aber auch das Interagieren und die Rolle von Kriminalanwärter Schultz und seiner Verlobten. Für mich haben diese vier Personen den Kriminalroman zu etwas Besonderem gemacht. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass die Autorin mit sehr vielen Figuren arbeitet, was es ihr leicht macht, die Lesenden in die Irre zu führen, wer "gut" und wer "böse" ist. Ein Kriminalroman, der neben der Ermittlungsarbeit auch ein Sittengemälde der Zeit zeichnet und damit zusätzliche Informationen bietet. Ich würde mich wirklich freuen, wieder von den "Vieren" zu lesen. Ein Tipp für alle Fans von René Anour, Anne Stern, Alex Beer und Susanne Goga. 9/10 P.