Ryushun Kusanagi ist buddhistischer Mönch und nähert sich in seinem Buch "Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren" dem Buddhismus nicht als Religion, sondern als praktische Lebenshaltung. Sein Ziel ist es, Leserinnen und Leser dabei zu unterstützen, gelassener mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Dabei greift er Themen auf, die viele Menschen beschäftigen, etwa vorschnelles Urteilen, der Umgang mit den Meinungen anderer oder die Frage, warum uns manche Situationen emotional so stark mitnehmen.Das Buch verbindet klassische buddhistische Lehren mit leicht verständlichen Beispielen aus dem Alltag. Kusanagi erklärt seine Gedanken in einem ruhigen, freundlichen Ton, ohne belehrend zu wirken. Die Kapitel sind kurz, klar strukturiert und bauen logisch aufeinander auf, was das Lesen angenehm und übersichtlich macht. Besonders das Kapitel über vorschnelles Urteilen hat mich sofort angesprochen. Der Autor zeigt eindrucksvoll, wie schnell wir uns eine Meinung bilden, ohne die Hintergründe wirklich zu kennen, und wie heilsam es sein kann, einen Moment innezuhalten, bevor wir reagieren.Ein zentraler Gedanke des Buches ist, dass emotionale Reaktionen nicht durch äußere Ereignisse selbst entstehen, sondern durch unsere Bewertung dieser Ereignisse. Indem wir unsere Gefühle bewusst wahrnehmen, können sie an Intensität verlieren und sich mit der Zeit auflösen. Diese Idee wird durch zahlreiche Anekdoten aus dem Klosteralltag und aus Beratungssituationen veranschaulicht, was die Inhalte greifbar und lebensnah macht.Gerade für Menschen, die sich bisher wenig mit Achtsamkeit oder eigenen Gedankenmustern beschäftigt haben, bietet das Buch einen sehr leichten Einstieg. Die Sprache ist klar, die Impulse sind sanft und laden dazu ein, die eigene Perspektive zu überdenken. Gleichzeitig sollte man keine tiefgehenden Analysen oder konkreten Lösungsstrategien erwarten. Kusanagi versteht sein Buch nicht als therapeutischen Ratgeber, sondern als Sammlung von Denkanstößen.An manchen Stellen wirkt die Botschaft jedoch etwas zu einfach. In einer Welt, die von politischen Krisen, wirtschaftlichen Sorgen und permanenter Reizüberflutung geprägt ist, kann der Appell, einfach anders zu reagieren, schnell an seine Grenzen stoßen. Gelassenheit ist hilfreich, aber sie ersetzt keine gesellschaftlichen oder persönlichen Lösungen für reale Probleme. Das Buch blendet diese Dimensionen weitgehend aus und konzentriert sich konsequent auf die innere Haltung.Trotzdem bleibt "Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren" ein ruhiger, inspirierender Ratgeber, der neue Blickwinkel eröffnet. Kusanagi gelingt es, zentrale buddhistische Gedanken alltagstauglich und verständlich zu vermitteln. Wer sich mehr innere Ruhe wünscht und offen für sanfte Impulse ist, wird aus diesem Buch viel mitnehmen. Wer jedoch nach tiefgehender Kritik an äußeren Umständen oder nach konkreten Handlungsanleitungen sucht, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.