Brooke Fast hätte mit ihrem Debütroman einen soliden, dystopisch-düsteren Roman abliefern können, wenn sie nicht alles mit einer deplatzierten und unglaubwürdigen Liebesgeschichte ruiniert hätte.
Der Einstieg ins Buch hat mir sehr gut gefallen und Raven, eine Kopfgeldjägerin war mir, auch wenn es komisch klingen mag angesichts ihres Berufes von Anfang an sympathisch und ich wollte mehr über ihre Geschichte erfahren. Das Tempo des Buches war von Beginn an hoch, auch dies hat mir sehr gut gefallen und die Spannungskurve hat eindeutig nach oben gezeigt.
Sobald Raven dann allerdings in der Haftanstalt Endlock inhaftiert ist, verringert sich das Tempo ziemlich. Man diesem Umschwung hätte ich noch keine Probleme gehabt, wenn die Autorin dafür die Zeit für die Beschreibung und der Vertiefung der Charaktere genutzt hätte. Leider hat sie dies nicht getan und viele der Protagonisten sind bis zum Ende eher blass und zweidimensional geblieben. An einigen Stellen hat sie dann auch auf die typischen Klischees zurückgegriffen, so sind die bösen Wärter natürlich nicht besonders gutaussehend und haben noch dazu schlechte Manieren.
Diese ganzen Kleinigkeiten hätte ich Brooke Fast noch verziehen, da sie es geschafft hat mich in den Bann der Geschichte zu ziehen und ich die düstere und bedrohliche Stimmung teilweise fast körperlich spüren konnte. Ihre teilweise sehr plakativen Beschreibungen von gewaltvollen Szenen sind wirklich gut gemacht, wenn man das in diesem Zusammenhang so formulieren darf.
Ich konnte bei meiner kurzen Internetrecherche nicht herausfinden auf wie viele Bände die Serie rund um Raven und Dividium ausgelegt ist. Daher habe ich der Autorin auch verziehen, dass sie nur gelegentlich Hinweise zu der Welt, in der das Buch spielt, gibt. Eine ungefähre Vorstellung von der Politik und der Mehrklassengesellschaft habe ich zumindest bekommen. Ich vermute, dass im nächsten Band weitere Einzelheiten bekanntgegeben werden.
Mein Hauptkritikpunkt an diesem Buch ist aber die Liebesgeschichte. Wobei mich nicht die Tatsache stört, dass es eine gibt, denn dies wusste ich bereits durch die Ankündigung des Buches, da es als Fantasy-Romance Buch vermarktet wird. Mein Problem besteht darin, dass der romantische Teil für meinen Geschmack viel zu schnell voranschreitet und was noch viel schlimmer ist, die Szenen an völlig unpassenden Stellen eingestreut sind. Dadurch wirkt das ganze konstruiert, fehl am Platz und unrealistisch.
Brooke Fast hat es geschafft, dass ich neugierig bin, wie es mit Raven und ihren Begleiter:innen weitergeht, auch wenn mich ihr Debütroman nicht komplett überzeugen konnte. Ich empfehle dieses Buch allen, die gerne dystopische Romane lesen und kein Problem mit einer Liebesgeschichte und ein wenig Spice haben. Wer mit letzterem nichts anfangen kann, sollte meiner Meinung nach besser die Finger von diesem Buch lassen.