Konnte mit der mystisch-gemütlichen Halloween-Atmosphäre und der ungewöhnlichen Einbindung des Hades-und-Persephone-Mythos überzeugen.
In "A Dark and Secret Magic" erzählt Wallis Kinney eine herbstliche Romantasy-Geschichte die lose vom Mythos rund um Hades und Persephone inspiriert ist. Die Grundidee rund um eine Hexe, die kurz vor ihrem 31. Geburtstag erst das volle Ausmaß ihrer Kräfte erkennt, den Geheimnissen ihrer Mutter auf den Grund gehen und vor Halloween herausfinden muss, was der König aus der Tiefe von ihr möchte, hat mir dabei durchaus gefallen. Besonders das Magiesystem mit unterschiedlichen Arten von Hexen, verschiedenen Fähigkeiten und den hierarchischen Strukturen der einzelnen Covens fand ich interessant. Auch die Interpretation des Hades-und-Persephone-Motivs ist etwas ungewöhnlicher, als man zunächst vermuten könnte. Die Geschichte übernimmt nicht einfach die romantisierten Elemente des Mythos, sondern nutzt dessen Grundlage auch für die dunkleren Aspekte der Handlung, wovon ich allerdings gerne deutlich mehr gesehen hätte.Denn insgesamt entwickelt sich die Handlung für meinen Geschmack viel zu langsam. Gerade im ersten Viertel passiert kaum etwas, während später vor allem immer neue Geheimnisse, Zweifel und Enthüllungen aufeinanderfolgen. Fast jede Figur scheint etwas vor Hekate zu verbergen, und entsprechend häufig dreht sich die Handlung um die Fragen, wem sie vertrauen kann und wer ihr gerade nicht die Wahrheit sagt. Das wird mit der Zeit ziemlich repetitiv. Nach dem langen Aufbau wird der eigentliche Konflikt dann innerhalb von gerade einmal zwei Kapiteln aufgelöst, was für mich weder inhaltlich noch erzählerisch besonders überzeugend war. Der Schluss funktioniert zwar grundsätzlich für die Handlung, war mir nach all dem Vorgeplänkel aber viel zu glatt und schnell.So konnte mich die Geschichte nicht durchgängig richtig fesseln, obwohl die Atmosphäre wie von Cover und Klapptext versprochen mystisch-cozy war. Die Halloween-Atmosphäre mit Herbstbazar, geschnitzten Kürbissen, nebligen Herbstwäldern und gemütlichem Cottage-Core und insbesondere die tollen Essensbeschreibungen machen das Buch zu einer wunderbaren Herbst-Lektüre. Ein Bonus ist für mich auch, dass die beschriebenen Rezepte am Ende beigefügt sind, sodass man Hekates Leckereien leicht nachkochen kann. Allerdings blieben mir die magischen Elemente vergleichsweise zu oberflächlich und der Weltenaufbau - selbst für eine so kurze Geschichte - zu vage."It is amazing what good rest will do to someone who hasn't had it in a while.¿Leider konnten mich auch die Figuren nicht vollständig überzeugen. Hekate bleibt trotz der Ich-Perspektive erstaunlich blass. Eigentlich hätte diese Erzählweise die perfekte Gelegenheit geboten, ihre Gedanken, Ängste und ihre Entwicklung viel intensiver mitzuerleben. Stattdessen kreisen ihre Gedanken über weite Strecken immer wieder um dieselben Fragen. Auch ihr Verhalten wirkte für mich teilweise nicht besonders altersgerecht, weshalb ich sie eigentlich eher als Protagonistin einer YA-Geschichte gelesen hätte."As a hedge witch, premonitions come to me shrouded in the mists of dreams. But when I'm awake, I watch the forest."Auch bei den Nebenfiguren hat die Autorin meiner Meinung nach viel liegen gelassen. So hätten beispielsweise Hekates Schwestern Miranda und Celeste, die Buchhexe Ginny und deren Mutter Rebecca aufgrund ihrer unterschiedlichen magischen Fähigkeiten und ihrer Beziehungen zu Hekate viel Potenzial gehabt, das aber durch nur sehr kurze Auftritte nicht ausgeschöpft wurde. Auch über Hekates Mutter und Matthew hätte ich gerne mehr erfahren. Stattdessen bleiben beide recht blass und ihre eigenen Geschichten werden kaum vertieft. Die Romance konnte mich ebenfalls nur teilweise abholen. Zwar wird zunächst mit einer Enemies-to-Lovers-Dynamik gespielt, allerdings schlägt die anfängliche Abneigung für meinen Geschmack so schnell in Anziehung um, dass es eher wie Insta-Attraction wirkt."Intention is what feeds magic. The desire to have something done and then increasing the chances that it will happen, all through our intention."Das Urteil"A Dark and Secret Magic" konnte mit der mystisch-gemütlichen Halloween-Atmosphäre, der ungewöhnlichen Einbindung des Hades-und-Persephone-Mythos und tollen Essensbeschreibungen überzeugen. Gleichzeitig hätte ich mir aber deutlich mehr Tiefe bei den Figuren und vor allem deutlich mehr Konsequenz in der Handlung gewünscht, sodass es eine "Vibes-Only"-Geschichte für mich ist, die man durchaus im Herbst lesen kann, aber nicht muss.3,5 Sterne