Mehr Gedanken und Erklärungen als Handlung
Der Anfang ist heftig und voller Erklärungen. Der Autor hat uns an dem Alltag eines kranken Mannes mit einer bipolaren Störung teilnehmen lassen. Einem Mann, der von seiner Krankheit gebrochen wurde und sich den Freitod wünscht. Die letzte Manie hat ihn in den Abgrund getrieben, seine Freundschaften ruiniert, sein Konto geleert, seinen Alltag zerstört, und er kann nicht mehr.Danach kommt die Handlung, in der sich der Protagonist im Haus der Sonne einschreiben lässt mit der Absicht, am Ende einen Selbstmord zu begehen. Die Ärzte unterstützen zwar diesen Vorschlag, aber wollen zuerst, dass er einige Simulationen durchlebt.Schon der Anfang war interessant, obwohl die vielen Erklärungen und mich etwas verscheucht haben. Aber ich wollte unbedingt wissen, was im Haus der Sonne passiert, wie sich sein Alltag verändern wird und wie so eine Simulation funktioniert. Der Autor zieht den Moment bis zum Einzug brutal in die Länge und hat von mir viel Geduld verlangt.Im Haus der Sonne verlangt er die gleiche Geduld wieder und was soll ich sagen, ich konnte es nicht. Bis zur hundertsten Seite fühlt sich das Buch so an, als würde der Autor mit hochgezogener Bremse im ersten Gang fahren und sich weigern, in den nächsten umzuschalten. Es zieht sich in die Länge-Ich gebe ja zu, dass ich kein geduldiger Leser mehr bin, aber wenn die Handlung funktioniert, wenn die Figur interessant ist, bin ich bereit, vieles zu ertragen. Aber hier ist es nicht so. Die Krankheit wird nicht als Ganzes beschrieben, sondern immer nur ein kleiner, mikroskopischer Teil davon, dass er großzügig über die vielen Kapitel verstreut hat, und ich schwör, ich habe das langsam nicht mehr ausgehalten.Was überhaupt das Ziel der Behandlung sein soll, wieso er da ist, was sie vorhaben? Das habe ich nicht erfahren und ab der hundertsten Seite wurde mir das auch langsam egal. Es ist so anstrengend zu lesen, weil meistens nichts passiert und ich nur die Gedanken der Figur ertragen musste, der in einer kaputten Dauerschleife vom Freitod sprach. Nichts anderes mehr.Ich weiß nicht, was ich bei so einem Tiefpunkt machen würde, ob ich wirklich da den Mut hätte, mich umzubringen. Aber die Figur ist so am Ende und ich verstehe nicht, wieso er nicht einmal den Versuch getan hat, sich das Leben zu nehmen. Die ganze Zeit redet er davon und jammert und jammert und jammert und irgendwann habe ich es nicht geschafft, der Figur wirklich zu glauben. Er wirkte nicht auf mich wie jemand, der wirklich sterben wollte, sondern nur davon sprach.