Das kommt davon, wenn man denkt man könne ohne vorherige Recherche einen New-York-Times-Bestseller mit in den Reisekoffer packen, am Ende hat man sich den Urlaub verdorben....Wenn man dieses Buch mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das Vorhersagbarkeit. Es ist so auf Konsumierbarkeit und die Lesebedürfnisse einer Zielgruppe hin konstruiert, dass man meinen könnte, es sei von einer KI geschrieben (wer weiß....).Eine Collegedozentin für Literatur (100 Punkte auf der Sympathieskala für Identifikationspotential bei der Leserin, insbesondere, da sie nur Dozentin, nicht Professorin ist und ihre Habilitation nicht fertig kriegt, da kann doch jede gleich mitfühlen) und Halbwaise ab Geburt (wer hätte gedacht, dass sowas 200 Jahre nach den Gebrüdern Grimm tatsächlich noch in der Literatur auftaucht?) sowie ungewollt kinderlos (ja die Arme wurde wirklich mit sozusagen allen Erst-Welt-Frauenproblemen unserer Zeit ausgestattet) wurde vom Ehemann verlassen (nochmal 100 Mitgefühlspunkte) und bucht ein Luxushotel um sich dort umzubringen (das ist das einzig interessante Konstrukt an dem Plot und hat mich leider dazu verführt, das Buch zu kaufen).Dort trifft sie auf eine Luxushochzeitsgesellschaft (100 Punkte für Sehnsuchtsszenario) und wird natürlich durch glückliche Umstände ins Leben zurückgeholt. Ab diesem Zeitpunkt versinkt das Buch endgültig unter so viel kalorienfreiem Kunsthonig aus Kitsch, dass es kaum noch zu ertragen ist. In einem Hot-Tub des Hotels trifft die Protagonistin jetzt natürlich den Mann ihrer Träume, der so hundertprozentig auf sie zugeschnitten ist, dass er sogar über eine ebenfalls halbverwaiste Tochter verfügt, die, obwohl mitten in den schlimmsten Pupertätswirren gefangen in der Heldin der Geschichte sofort die Stiefmutter ihrer Träume erkennt (früher im Märchen waren Stiefmütter wenigstens noch böse). Der Traummann ist zwar der Bräutigam der Hochzeit die sie gecrashed hat und auf der sie kurzerhand zur Trauzeugin befördert wurde aber natürlich liebt er seine Zukünftige nicht wirklich und oh Wunder, damit keiner weint, sie ihn auch nicht. Glücklicherweise taucht ja unsere Hauptdarstellerin auf um diese zum Scheitern verurteilte Ehe gerade noch zu verhindern.Dass ihr Ex-Mann noch auf der Bildfläche erscheint um bitter zu bereuen, dass er sie verlassen hat und sie zusätzlich noch den Traumjob bekommt ab jetzt Haussitterin einer klassischen Luxusvilla am Meer zu werden um dort natürlich ihre Schreibblockade zu überwinden, das bekommt man gar nicht mehr so richtig mit, der Süßstoffschock hat einen schon in eine Art intellektuelle Anästhesie versetzt.Was mich wirklich schockiert hat ist allerdings, dass die Autorin tatsächlich einen Masterabschluss in Kreativem Schreiben von einer Ivy League Universität in den USA hat. Seitdem mache ich mir weniger Sorgen, dass DT da noch irgend etwas Erhaltenswürdiges zerstören könnte.Wer dieses Buch wirklich für gute Literatur hält, der (nein die, dieses Buch ist eindeutig auf die weibliche Zielgruppe zugeschnitten) sollte sich vielleicht mal an Teju Cole oder Paul Murray wagen. Das ist Literatur, die einen nachts wach hält, weil sich im Kopf Fragen auftun, die man beantwortet haben möchte, so dass man mit Taschenlampe und Bettdecke über dem Kopf Passagen erneut liest auf der Suche nach Schlüsseln zu den Charakteren der Protagonisten. Geschichten, bei denen man das Internet nach Rezensionen und Sekundärliteratur durchsucht um neue Aspekte des Gelesenen zu entdecken und die einen wochenlang nicht loslassen.Wedding People im Gegensatz dazu hinterlässt im Gehirn nur einen schlechten Geschmack wie ein Becher Tiramisu aus der Frischetheke eines Lebensmitteldiscounters.