Ein sehr guter dritter Teil. Ich freue mich auf eine weitere Fortsetzung.
Dieser dritte Teil der Serie um Leo Asker und die "Abteilung für hoffnungslose Fälle" spielt im Sommer nach den Ereignissen in Teil zwei.Der Lost-Place-Experte Martin Hill leidet noch immer unter Albträumen um den Troll und den gläsernen Mann. Trotzdem besucht er seinen Therapeuten nicht regelmäßig und hat auch weiterhin noch keine Freigabe wieder zu arbeiten. Privat verwahrlost er zunehmend und langsam wird auch das Geld knapp. Martins Beziehung zu der in Scheidung befindlichen Sophie gestaltet sich schwierig. Leo Asker dagegen hat dank der Beziehungen ihrer Mutter Chancen auf einen Karrieresprung raus aus ihrer besonderen Abteilung. Sie könnte, wenn sie die nächsten Monate den Ball flach hält Koordinatorin beim Polizeidirektor werden. Zusätzlich erfährt sie, dass sich ihre Mutter und Schwester Sorgen um Vater Prepper Per machen, im Rahmen von rechtlichen Auseinandersetzungen, in die die Kanzlei verwickelt ist, fürchtet man er könnte einen Bombenanschlag auf seinen früheren Arbeitgeber Tectron planen.Dann schlägt bei Jonas Hellmann vom Dezernat für Kapital Delikte ein neuer Fall auf. Eine Frau, die aus der Psychiatrie entkommen ist, hat zwei YouTuber in der alten Torffabrik im Rostkogen zu Tode erschreckt, sie hatte den Finger eines Mord Opfers dabei, von einem alten unaufgeklärten Fall. Hermann schickt den Vorgang mit Freude zu der Abteilung für hoffnungslose Fälle, obwohl er eigentlich in die Abteilung für Cold Cases gehört. Er mag so versuchen Leo Steine in den Weg zu legen.Doch Leos Neugier ist geweckt und sie sucht sofort nach den alten Ermittlungsunterlagen. Im November 2013 wurde die neunundzwanzigjährige Elena in der alten Fabrik erstochen, Hauptverdächtiger war ihr Mann, der nie verhaftet werden konnte. Die Mordmethode und Spuren am Tatort haben Ähnlichkeit mit der Moorleiche, genannt das Graumädchen, die in den Siebzigerjahren nur wenige hundert Meter entfernt ausgegraben wurde. Für Leo wäre es verlockend herauszufinden, woher der Finger kommt und vielleicht einen flüchtigen Frauenmörder zu fangen.Doch es gibt nur eine apathische Zeugin, wage Anhaltspunkte und rätselhafte Worte. Einige Überraschungen führen dann weiter. Es gibt eine ganze Reihe Verdächtiger aber keine Beweise, dann gerät die Abteilung unter Zeitdruck und bekommt ein Ultimatum gestellt.Zur Hälfte der Geschichte gibt es einen ersten rasanten Höhepunkt. Man bekommt langsam einen Verdacht, wer hinter den eingeschobenen Kapiteln vom Graumädchen stecken könnte. Ein undurchdringliches Netz aus Wahrheiten, Lügen und Geheimnissen macht das Vorankommen schwer. Leo läuft die Zeit davon. Immer wieder kommt Martin ins Spiel. Rätselhafte Hinweise helfen nicht weiter. Der Fall wird immer komplexer und zieht weite, gefährliche Kreise. Die Presse macht es ihnen nicht einfach, Leos Mitarbeiter reiten immer wieder darauf herum, dass sie ja bald weggeht, die alten Fallunterlagen sind nicht mehr vollständig.Die Erzählung entwickelt sich temporeich weiter. Die Situation zwischen ihnen ist nicht ganz förderlich. Trotzdem strebt die Entwicklung der Aufklärung entgegen. Ein atemraubender Show Down folgt. Danach klärt sich immer mehr auf, aber es gelingt dem Autor doch auch noch eine weitere Überraschung. Und es kommt zu einer unglaublichen Wendung zum Ende mit einer Aussicht auf den nächsten Band. Das letzte Fünftel ist dramatisch und brutal, man muss es in einem Rutsch lesen.Durch neue Rückblicke in ihre Vergangenheit lernt man Leo noch besser kennen. Die emotionalen Interaktionen mit Martin Hill werden von seinem Handeln bestimmt. Hill will sich von ihr nicht ausboten lassen.Der Autor führt die Personen und Hintergründe geschickt wieder ein. Der Roman ist von Anfang an sehr atmosphärisch. Während man den Youtubern in den uralte Wald Rostkogen folgt, fühlt man den Schatten und die Dunkelheit des Hochmoores. Die Situation dort ist bedrückend, gruselig, kalt und düster. Es gibt uralte, in der Vegetation versunkene Autowracks. Der eisenhaltige Grund färbt Wasser und Boden rötliche, daher der Name. Dazu die große unheilvolle, feuchte Fabrik.Fazit: Ein sehr guter dritter Teil. Ich freue mich auf eine weitere Fortsetzung.