Der Titel Ich rede, also bin ich mag zunächst skeptisch machen, suggeriert er doch, dass sich hier jemand ziemlich wichtig zu nehmen scheint. Doch beim Blick auf den Klappentext wird klar, dass Julia Mailänder etwas anderes beabsichtigt, nämlich Sprache zu erklären und damit zugleich für sie zu begeistern. Selbst wenn das bei mir als Sprachwissenschaftler nicht nötig gewesen sein mag, siegte die Neugier. Was also kann das Buch?
Platt gesagt: In 42 Kapiteln, deren Überschriften aus Fragen bestehen, so manches Sprachthema erklären und ja, Begeisterung wecken. Gerade für Laien ist Sprachgebrauch eine Art Automatismus: Man lernt eine Sprache, gebraucht sie, denkt aber nicht tiefer darüber nach. Manchmal wundert man sich, warum man der einen Person besser folgen kann als anderen, stellt sich vielleicht mal eine Frage, etwa woher der eigene Name kommt, ob Dialekte aussterben, warum man weltweit englisch spricht und nicht französisch, und was passiert, wenn wir ständig KI (bzw. Sprachmodelle) nutzen. Und genau solchen Fragen spürt Mailänder nach, wobei sie auch Nachbardisziplinen wie Psychologie streift. Das geschieht kenntnisreich, aber mit einer guten Portion Humor und vor allem Begeisterung.
Dass ein Buch, das nicht mal 300 Seiten hat, aber 42 (damit hatte die Autorin mich ja ohnehin schon ) Kapitel, das jeweilige Thema nicht in der Tiefe zu ergründen vermag, dürfte klar sein. Natürlich bleibt der Inhalt an der Oberfläche und manches ist doch sehr an das moderne Leseverhalten angepasst (vorwiegend also Infohäppchen, die man voraussichtlich kaum am Stück wird lesen wollen), es geht aber hier auch nicht um sprachwissenschaftliche Durchdringung, sondern um Fakten über und Bewusstsein für Sprache ihre Macht, ihren Einfluss, ihr Vermögen, unsere Welt zu der zu machen, die sie ist. Einiges kannte ich bereits, anderes frischte mein Wissen auf, doch stellenweise auch überrascht. Insofern gelingt Mailänder mit diesem Buch etwas Großes: Sie erklärt das System Sprache leicht verständlich, weckt Neugier und schafft damit Beschäftigung mit dem Thema. 4,5 (abgerundete) Sterne, weil die im Buch verwendete Sprache doch sehr einfach ist, wenngleich es für Nicht-Sprachwissenschaftler sicher volle Punktzahl wäre.