Ada ist eine ghanaische Frau Mitte des 15. Jahrhunderts, die gerade ihr Baby verloren hat. Ada ist aber auch eine reich verheiratete Dame, die 1848 in London lebt, eine besondere mathematische Begabung und eine geheime Affäre hat. Ebenfalls ist Ada eine zur Prostitution gezwungene Gefangene in einem KZ, sowie eine schwangere Studentin auf Wohnungssuche in Berlin 2019. Wie das alles zusammenhängt darf man beim Lesen selbst herausfinden!Ich mochte den Einstieg in diesem Roman total! Blind wird man von Ghana nach London nach Deutschland geworfen und muss sich irgendwie zurechtfinden. Die Geschichten machen es einem aber leicht, weil sie so lebendig erzählt sind jede auf andere Art fasziniert. Die dezenten Zusammenhänge zwischen den Geschichten haben mir gefallen, genauso wie der seltsame Erzähler, der mal eine Art Geist, mal ein Reisigbesen, mal ein Zimmer oder ein Reisepass ist. Diese Erzählstimme hatte etwas sehr charmantes und hat die oft traurigen Geschichten der verschiedenen Adas etwas aufgelockert.Leider hat meine anfängliche Begeisterung ein wenig nachgelassen als der Fokus auf die Ada der heutigen Zeit gelegt wurde. Dieser Handlungsstrang hat mich am wenigsten interessiert, doch ist er am ausführlichsten und als einziger geradlinig erzählt. Was mich gleich zu meinem zweiten Kritikpunkt bringt: Warum sind die anderen Zeitschleifen auch noch Rückwärts erzählt? Es war letztlich zwar inhaltlich verständlich, wirkte aber absichtlich überkonstruiert. Das hätte es bei so starken Geschichten eigentlich nicht gebraucht!Ich bin ein wenig zwiegespalten bei diesem Roman. Teilweise fand ich ihn großartig und mitreißend und berührend. Zudem wunderbar erzählt! Aber eben nur zum Teil. Ich mochte den magischen Realismus und finde die Idee des Romans grundsätzlich großartig. Meines Erachtens läuft diese aber letztlich ins Leere. So war ich vom Ende eher enttäuscht.Wenn Sharon Dodua Otoo einen Roman im historischen Setting schreibt, - egal ob vorwärts oder rückwärts erzählt - bin ich sofort wieder dabei! So gerne hätte ich mehr über die "älteren" Adas gelesen! Auf den Teil in der heutigen Zeit hätte ich dafür gut verzichten können. Was ist also mein Fazit? Ein durchaus lesenswerter Roman für alle, die wie ich Zeitschleifen, spannende Frauenfiguren und auf den ersten Blick verwirrende Geschichten mögen - allerdings mit Abstrichen.3,5*