Cover:Das Cover finde ich sehr passend gestaltet. Vor allem die Gestaltung finde ich sehr spannend. Die untere Hälfte des Covers wird von ein paar Häusern und einem Wald eingenommen, wodurch das Kleinstadt-Setting gut hervorkommt. Die obere Hälfte mit den rötlichen, großen Wolken verleiht dem Cover eine angespannte Stimmung. Es wirkt auf mich wie die Ruhe vor dem Sturm. Auch der Titel auf den Wolken in leuchtend roter Schrift verstärkt diesen Eindruck. Man spürt gleich, dass irgendetwas brodelt. Das Cover gefällt mir daher sehr gut.Handlung:Als Tonis Vater stirbt, stellt sie ein unvollendeter Brief von ihm an sie vor ein großes Rätsel. Er schreibt von einer Schuld, die ihn seit seiner Kindheit quält. Toni ist Journalistin, ihre Neugier ist geweckt und sie findet heraus, dass Pirmasens, der Ort ihrer Kindheit, in den 60er Jahren Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens war, bei dem drei Kinder sind spurlos verschwunden sind. Die Fälle wurden nie aufgeklärt. Die Hinweise deuten darauf hin, dass es eine Verbindung zu Tonis Vater gibt. Wollte er ihr davon erzählen?Schreibstil & Spannungsaufbau:Peter Probsts Schreibstil und seine Erzählweise haben es mir leicht gemacht gut in das Buch zu starten. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig, die Geschichte aus mehreren Blickwinkeln/ Ebenen erzählt.Die Hauptebene ist dabei in der Gegenwart, in der man die Hauptfigur Toni bei ihrer Recherche bzw. ihren Nachforschungen begleitet. Als eine weitere Handlungseben in der Gegenwart stellt sich der Vermisstenfall eines Mädchens Namens Vanessa heraus. Zusätzlich gibt eine Ebene in der Vergangenheit, die Erwin (Tonis Vater) im Fokus hat. Auch hier gibt es Vermisstenfälle von Kindern. Hin und wieder gibt in dem Buch auch Zeitungsartikel aus den 60er Jahren. Super finde ich, dass die Rechtschreibung in diesen Artikeln der damaligen Zeit angepasst ist.Die Vermisstenfälle, die Peter Probst in der Vergangenheit erwähnt, basieren auf wahren Begebenheiten und erzählen von einem Stück deutscher Kriminalgeschichte. Die Fälle konnten nie gelöst werden. Charaktere:In Peter Probsts Kriminalroman kommen eine Vielzahl an Charakteren vor. Die wichtigsten Figuren des Buchs sind meiner Meinung nach Toni, Erwin, Vanessa und Leo.Toni ist Journalistin und hat eben ihren Vater Erwin verloren. Daher reist sie nach Primasens, um sich um den Nachlass zu kümmern. Dabei entdeckt sie einen kryptischen Brief ihres Vaters, dessen Rätsel sie entschlüsseln möchte. Bald zeigt sich, dass Tonis Fragen auf Zurückweisung im Ort stoßen. Ihre Mutter hat sie bereits mit ca. 13 Jahren verloren, das Verhältnis zu ihrem Vater war angespannt. Toni ist mir von Anfang an sympathisch, ihre Neugier kann ich gut nachvollziehen.Erwin ist Tonis Vater. Er ist ein religiöser Mensch, was sich auch an der Einrichtung in seinem Haus zeigt. In den Wochen vor seinen Tod hatte er verstärkt Kontakt zu der örtlichen Pfarrgemeinde gesucht. Ein Ereignis aus seiner Kindheit hat ihn schwer getroffen: Nämlich das Verschwinden eines Freundes aus seiner Gruppe. Von dem Moment an hat ihn eine Schuld befallen, die ihn sein Leben lang nicht mehr losgelassen hat.Vanessa ist ein junges Mädchen, das entführt wurde.Leo ist ein Polizist, den Toni flüchtig bei der Beerdigung ihres Vaters gesehen hat. Wegen einer Routineüberprüfung ihres Vaters betreffend, wendet er sich an sie und die beiden lernen sich näher kennen. Er ist es auch, der den Vermisstenfall von Vanessa bearbeitet.Die Figuren sind meiner Meinung nach lebendig und realistisch getroffen, ihre Handlungsweisen im Großen und Ganzen plausibel, sodass man mit ihnen mitfühlen kann. Vor allem Toni und ihr Vater sind meiner Meinung nach psychologisch gut ausgearbeitet. Meinung & Fazit:"Am helllichten Tag" war das erste Buch, das ich von Peter Probst gelesen habe. Die Spannung war von Anfang an gegeben und viele Stellen/Szenen haben meine Neugier über das Buch hinweg weiter geschürt. Peter Probst hat es gut geschafft, dass ich mir lange keinen Reim auf die einzelnen Handlungsstränge machen konnte und das Ende für mich wenig vorhersehbar war. Insgesamt habe ich es als sehr stimmig empfunden, wie die Handlungsstränge zusammenfließen.Die Figuren sind meine Ansicht nach lebhaft und interessant gestaltet. Besonders berührt hat mich, wie sich das Verhältnis von Toni zu ihrem Vater im Laufe des Buchs verändert. Ihre Trauer und ihren inneren Dialog mit ihrem Vater finde ich sensibel und gut nachvollziehbar dargestellt. Mich persönlich hat das sehr berührt, vor allem diese Stelle:"Ich habe immer gespürt, dass du ein Geheimnis mit der rumträgst. Ich hatte nur keine Ahnung, was für eines. Jedes Mal, wenn ich dich was Persönliches gefragt habe, hast du dicht gemacht. Ich war oft wütend auf dich. Dabei hätte ich eher Mitleid mit dir haben müssen. Warum hast du mich nie aufgeklärt? Ich hätte dich sicher besser behandelt. Und...vorbehaltloser lieben können." Insgesamt ein sehr spannender, vielschichtiger Kriminalroman, der mit unterhaltsame Lesestunden bereitet hat.