eine Pflichtlektüre
Marlene Borchardt und Nora Burgard-Arp, beide unter anderem als Journalistinnen für DIE ZEIT tätig, durchleuchten in diesem Buch viele verschiedene Aspekte zum Thema Ernährung, versuchen diese wieder zu einer wertfreien Betrachtung und ebensolchen Umgang mit ihr zu bringen. Dabei thematisieren sie beispielsweise verletzende oder unbedachte Sprüche bezüglich zu Tellerinhalt, Figur oder Essverhalten anderen gegenüber, Fatshaming und Ableismus, Ernährungstrends, auch sehr isolierten mit radikaler Überzeugung, Selbstoptimierung und Trecking, Longlivety oder Diätmoral. Besonders interessant fand ich Ausführungen bezüglich des vorbildhaften Umgangs mit Kindern und prägenden Sätzen zum Essverhalten sowie das Ausmaß an CretorInnen, Youtubern... die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, unsere Kinder in eine Essstörung zu treiben. Einzelne Aspekte davon habe ich etwas mitbekommen, obwohl ich bewusst nicht in den sozialen Medien unterwegs bin und dort niemandem folge. Die Frage bleibt schon, weshalb die Politik unsere Kinder und Jugendliche nicht besser schützt. Ein großes Thema bleiben auch Vorbilder wie Kate Moss, wobei, das muss ich anmerken, schon Twiggy in den 60er und 70er Jahren starkes Untergewicht populär und erstrebenswert machte und bereits damals viele Jugendliche Essstörungen entwickelten. Es ist also nicht einfach ein Phänomen der heutigen Zeit, wenngleich der Einfluss der heutigen Medien viel größeren Einfluss und Zugriff bietet.Die verschiedenen Aspekte werden kapitelweise besprochen und manchesmal mit einem Gedankenkatalog oder einer Aufgabe abgeschlossen. Häufig enthalten sie Gespräche oder Erlebnisse de beiden Autorinnen, die eigentlich jede von uns kennen dürfte. Bei etlichen Punkten war ich im Glauben, dass es sich bereits erledigt hätte und sich eine andere Sichtweise etabliert hätte. Nach Lesen des Buches muss ich feststellen, dass dieses Buch überfällig war, und ich hoffe es wird viele LeserInnen haben. Ändern kann man nur "auf breiter Front" und hier erfährt man so viele Hilfestellungen zur Betrachtung und Vermeidung von Unüberlegtem, das eigentlich eher schadet als nützt sowie eine neue oder wiederentdeckte Sichtweise auf das Essen, das keine Verbote oder Entsagungen, sondern Genuss und Freude mit sich bringen soll und sowohl Kindern und Jugendlichen als auch Erwachsenen den Weg zu besserem Wohlbefinden zeigen wird. Ich finde dieses Buch überaus wichtig und empfehle es unbedingt weiter.