Kurzweiliger Roman, der aber auch in die Tiefe geht
Mit viel Herzblut betreibt Marille ein kleines Hotel am Getreidemarkt. Es verfügt nur über vier Zimmer, doch sind diese so unterschiedlich eingerichtet, dass sich das Gastklientel aus einer breiten Palette verschiedenster Charaktere zusammensetzt. Vom bekannten DJ bis zu einem Pärchen, das eine heimliche Affäre führt, findet man alles in dem kleinen Haus.Marille ist ein wahrer Herzensmensch, dass ist auch ihrem besten Freund Ferdinand klar. Und die junge Dame, Astrid, von nebenan aus dem Reisebüro möchte auch unbedingt mit ihr befreundet sein. Doch die Situation wird für Marille immer schwieriger als sie eines Tages einem Flüchtling aus Kabul Unterschlupf gewährt. Wird ihr Geheimnis auffliegen? Wunderbares Setting Als Haupthandlungspunkt ein kleines Hotel zu wählen ist für Gerda Stauner absolut bekanntes Terrain. Schließlich hat sie selbst einmal ein Hotel geführt und kann dieses Setting bestens wiedergeben. Das Hotel ist so wunderbar und vielseitig beschrieben, dass man geradezu Lust bekommt, selbst einmal in einem der individuellen Zimmer einzuchecken. Der wunderbar flüssige und bildhafte Erzählstil trägt hier natürlich positiv dazu bei. Vermeintlich seichtes Thema mit versteckter Tiefe Man denkt zunächst als Leser dieser Roman ist leichte Lektüre und erzählt uns ein bisschen Geplänkel aus dem Hotelwesen.In Wahrheit hat die Autorin aber einige aktuell brisante Themen miteingebaut. Gerade die Geschichte um den jungen Mann aus Kabul, der eigentlich abgeschoben werden soll, und dem Marille Unterschlupf gewährt. Hinzu kommen in diesem Zusammenhang auch fremdenfeindliche Strömungen in der Gesellschaft. Doch auch die anderen Schicksale, die sich in den Hotelzimmern abspielen und erzählt werden sind unterhaltsam zu lesen. Gesamt betrachtet wird in diesem Roman eine breite Palette an zwischenmenschlichen Beziehungen angesprochen. Wenige Protagonisten Die Zahl der vorkommenden Charaktere bleibt überschaubar.Im Zentrum Marille, die Hotelchefin. Man erkennt schnell, dass sie ein wahrer Herzensmensch ist und sie kann schnell die Gunst des Lesers gewinnen. Und auch ihr bester Freund Ferdinand ist sympathisch.Relativ bald entwickelt man allerdings gegen Astrid aus dem Reisebüro gewisse Antipathien. Die Erzählperspektive wechselt zwischen allen Hauptprotagonisten hin und her und so werden Sachverhalte von allen Seiten beleuchtet. So kann man zwar auch gewisse Handlungen von Astrid besser verstehen, wenn aus ihrer Sicht erzählt wird, dennoch bleibt sie ein Charakter, den man nicht unbedingt mag. Fazit: Der Gmeiner Verlag hat dieses Buch mit einem bunten und idyllischen Cover ausgestattet. Man meint, hier liegt ein kleiner unterhaltsamer Roman vor. Dies stimmt im Grunde, aber man sollte die tiefergehende Message erkennen und diese wirkt auch noch nach Beenden des Buches nach.