Seit Suter uns die letzten Einblicke in die Business-Class gewährte, ist geraume Weile vergangen. Doch nun kehren die Topkader mit Können Sie mich sehen? zurück.
Bei diesen Geschichten aus dem Management ist es schwierig, zu beschreiben, worum es geht versuchen wir es also mit einem Auszug aus den angesprochenen Themen. Es geht ums Gendern, um Kalendereinträge, Coolness, verpasste Anrufe, Seitensprünge, Homeoffice, Aufenthalte in der Business-Lounge, Krisen (oha) und wer hätte es für möglich gehalten Selbstkritik. Dabei halten sich die Figuren, denen Suter all das widerfahren lässt, für fähig, agil, stets am Puls der Zeit, ja, auch ein wenig unfehlbar, weshalb die Selbstkritik durchaus ironisch gebrochen wird.
Damit wäre man auch beim Kern dieses Buches: Kurze Geschichten, von denen man immer mal wieder zwischendurch eine lesen kann und in denen Suter mit spitzer Feder in seinem so unnachahmlichen Schreibstil auf die Riege der Manager losgeht (oft nur mittleres Management, jedoch mit dem Hang, sich als wichtiger zu empfinden), derer also, die glauben, alles im Griff zu haben, sich für unentbehrlich zu halten, ja fast fehlerfrei zu sein umso katastrophaler sind aber ihre Fehlschläge und die Risiken, die sie tragen, werden stets größer (zumindest empfinden sie das so) und derer gibt es nicht wenige. Es ist schlicht amüsant, zu lesen, wie sehr hier Selbst- und Fremdbild auseinanderklaffen dürften. Suters größte Kunst ist es, seine Kritik so zu verpacken, dass sie sich nicht als solche liest, was sicher auch am Bericht aus der Innensicht der Managerkaste liegt. Sie berichten teils so überzeugt und dabei zugleich treuherzig naiv von ihrer Großartigkeit, dass die Kritik wie in rosa Wattebällchen gehüllt daherkommt: exzellent beobachtet, in wenigen, dafür umso treffenderen Worten dargereicht, lesenswert!