Cover & Klappentext
Das Cover von Band drei ist in meinen Augen das schwächste der Reihe. Aber letztendlich ist es eine Geschmacksfrage. Wichtig ist, dass man schon eine gewissen Stimmung wahrnimmt, die sich auch im Buch wiederfindet, und das ist hier gegeben. Zudem kommt es immer auf den Inhalt an.
Der Klappentext wiederum hat mich sofort angesprochen, nachdem ich die anderen beiden Teile kenne. Wobei diese Story auch ohne Vorwissen gelesen werden kann, denn sie spielt vor der Dilogie.
Meinung
Die siebzehnjährige Phoebe Ellis schleicht sich regelmäßig in die Katakomben unter London, um die dortigen Schätze in der Oberwelt zu verkaufen. Das endet, als sie von einigen Mudlarks entdeckt wird, angeführt von Greyson Evans, der sie vor die Wahl stellt, entweder eine von ihnen zu werden oder wegen ihrer Straftat im Gefängnis zu landen.
Also wird Phoebe die erste weibliche Mudlark. Das bringt nicht nur Schwierigkeiten an der Oberwelt mit sich, sondern auch in den Tiefen der Katakomben, insbesondere als ein verstecktes Volk auftaucht sowie albtraumhafte Kreaturen, was wiederum in Machtkämpfen gipfelt und die Abgründe eines jeden in den Vordergrund rückt.
Aus der Sicht von Phoebe wird man durch das Geschehen geführt. Sie ist weder sympathisch noch liebenswert. Als Teenager ist sie sich selbst überlassen und sucht nach einem Nervenkitzel, der sie als Schatzjägerin in die Katakomben führt. Das geht lange gut, bis sie erwischt wird.
Normalerweise bietet jede Geschichte einen Charakter, mit dem man sich irgendwie, zumindest teilweise, verbunden fühlt. Bei Phoebe hatte ich meine Schwierigkeiten. Ihre positiven Eigenschaften sind rar gesät, aber dennoch vorhanden. Und letztendlich ist der Weg, den sie eingeschlagen hat beziehungsweise einschlagen musste, dafür verantwortlich, was aus ihr geworden ist. Hier werden die Abgründe der Menschheit an einer Person in den Fokus gerückt. Ihr Fall geht Hand in Hand mit dem Abstieg in die Katakomben.
Ich bin immer noch fasziniert von der Welt, die die Autorin hier erschaffen hat. Schon beim ersten Band waren diese Führungen, die in vielen Großstädten angeboten werden, in aller Munde. Daraus etwas derart Ungewöhnliches zu machen, ringt mir Respekt ab. Denn hier geht es keineswegs nur um pure Kreativität, sondern zeigt den Fehler der Menschheit auf. Alles muss entdeckt werden, was per se nichts Schlechtes ist. Es ist die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Es wird seziert, bis alles vernichtet ist.
In der Ausbildung zur Mudlark muss Phoebe sich gegen die anderen Rekruten durchsetzen, die nur aus Männern bestehen. Ihre schon vorher vorhandene harte Seite wird hier gestählt, ihre Gefühle unterdrückt, bis sie nur noch selten, zum Beispiel bei Blaise, der aus der Dilogie bekannt ist, zum Vorschein kommen. Zudem vertraut sie nur wenigen. Aber je länger sie sich in den Katakomben aufhält, desto kälter wird sie. Dort unten gelten die Regeln der Oberwelt nicht mehr. Schwerer Verrat stumpft sie völlig ab und so lässt sie ihren Frust an allem und jedem aus. Es mag verständlich sein, aber rechtfertigt nichts.
Der Schreibstil passt perfekt zum Inhalt. Er trägt den Inhalt, ohne sich hervorzuheben, sodass man sich komplett auf die Handlung konzentrieren kann. Ich wurde zu keiner Zeit rausgerissen. Er ist durchgehend flüssig und überzeugt mit der entsprechenden Wortwahl.
Auch das Tempo wurde toll gewählt. Das Leben Phoebes wird ein wenig im Zeitraffer dargestellt, was erst zum Ende hin besonders durch längere Abstände auffällt. Das bringt eine gewisse Geschwindigkeit rein, die aber nicht zu rasant ist, sodass man in den Szenen verweilen kann.
Insgesamt ist Phoebe keine klassische Heldin. Ihre Entwicklung stellt, bedingt durch diverse Geschehnisse, die sie prägten, eher einen Absturz dar. Sie sieht sich auf der korrekten Seite, handelt aber moralisch fragwürdig.
Fazit
Ein außergewöhnlicher Abschluss der Lichter unter London-Reihe, der gleichzeitig den Anfang darstellt. Die Autorin brilliert mit einer Hauptprotagonistin, die die Abgründe der Menschheit zeigt und den Leser dazu auffordert, sich selbst zu hinterfragen. Dadurch wird die Tiefe generiert.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.