In dieser Anthologie vereinigen sich 15 Kurzgeschichten und Novellen von Anne McCaffrey. Sehen wir sie uns einmal genauer an:
Den Anfang macht die Titelstory Drachenkind, in der die junge Aramina mit ihrer Familie auf der Flucht vor der rücksichtslosen Renegatin Thella ist und unverhoffte Hilfe von Drachenreitern erhält. Ein näherer Einblick in Araminas Schicksal, das das Thema aus "Die Renegaten von Pern" sehr viel anschaulicher und spannender macht.
In Die samtenen Felder wird die Besiedlung eines scheinbar aufgegebenen Planeten beschrieben. Als die neuen Siedler eintreffen finden sie nichts als weite Felder und verlassene Städte vor. Ein interessanter Take zum Thema außerirdisches Leben und wie es aufgebaut sein könnte.
Eutepe amüsiert sich - oder auch nicht? Es geht um den Auftritt eines langjährigen Gastes der Oper auf der Bühne, nachdem der Tenor ausfällt und es keine Zweitbesetzung gibt. Geschrieben in Form eines Interviews bleibt es dem Leser überlassen, was wirklich auf der Bühne der MET passiert ist. Interessantes Spiel mit Technik.
In Die Pflicht ruft begleitet der Leser ein intelligentes Schiff auf eine Spionagemission. Ein wenig gruselig fand ich die Vorstellung schon, dass das Gehirn eines Menschen in ein Raumschiff verpflanzt wird. Aber die Story ist mit viel Witz erzählt und bringt den Leser zum Schmunzeln.
Das ramponierte Dornröschen ist männlich und äußerst gut aussehend. Normalerweise hätten sich die Triage-Ärzte nicht mehr die Mühe gemacht, ihn zusammen zu flicken. Aber er sieht einfach zu gut aus zum Sterben ... Hoher Schmunzelfaktor.
Die Mandalay-Kur ist ein kleiner Trick, um kampfesmüde Männer wieder fit für den nächsten Krieg zu machen. Tja, wer hätte das gedacht, raus aus der einen Schlacht, rein in den nächsten Krieg. Da hätte ich auch keine Lust mehr.
Die Welt steht Kopf in Gänse im Flug. Die Erde wird von Zeitstürmen erschüttert, die Menschen aus verschiedenen Epochen zusammenführt in Chloes Höhle. Was sie dort erwartet, ist alles andere als schön. Ich mag Geschichten aus der Sicht der Antagonisten, aber hier hatte ich das dringende Bedürfnis nach einer heißen Dusche.
Ein Liebesdienst, der kontrovers ist erwartet den Leser in dieser Geschichte. McCaffrey schmeißt hier ihre ganze Meisterschaft hinein in ein noch immer kontroverses Thema rund um Leihmütter. Wie hoch die Wellen der Justiz schlagen können ist hier schon beinahe lächerlich! Mein persönliches Highlight dieser Anthologie!
Das stille Wasser ist die neue Anwärterin in der Resavation Idaho, denn sie redet nicht viel. Dafür aber liebt sie Pferde und wünscht sich nichts mehr, als einmal eines zu reiten. Ob ihr dieser Wunsch in Erfüllung geht in der Wildnis Idahos?
Was anderes hat man auf Raumstationen zwischen Landungen und Abflügen zu tun? Man entwickelt Das Spiel. Und es entwickelt sich so sehr zum Hit, dass da plötzlich eine Figur auftaucht, mit der der Entwickler niemals gerechnet hätte. Einmal mehr: hoher Schmunzelfaktor.
In Zulei, Grace, Nimshi und die verdammten Yankees begibt Anne McCaffrey sich in die Zeit des Bürgerkriegs. Und das noch dazu auf der Südseite! Grace wächst in dieser Zeit auf und ist gezwungen, die väterliche Plantage zu leiten. Zum Glück helfen ihr Zulei und Nimshi bei dieser Sache. Doch nicht alles geht mit rechten Dingen zu. Ein interessantes Spiel mit dem Übernatürlichen, was ich sehr mochte.
Die aufreizende Fremde in dem phantastischen ... ähm ... Kleid? wendet den Cinderella-Trick an. Aber einer ihrer Verehrer kommt ihr auf die Schliche. Amüsante kleine SciFi-Story frei nach dem gleichnamigen Märchen.
Die Macht der Gewohnheit ist dem alten Knoth bis ins Mark gedrungen. Wo ist seine Reiterin und warum gibt es keine Möhren mehr? Ehrlich ich weinte bei dieser Geschichte, die beschreibt, wie ein Pferd auf den Tod seines Besitzers/Reiters reagiert. Mein zweites Highlight!
Als die Kinder Hofdamen spielen, passiert etwas merkwürdiges im neuen Haus. Sally will der Sache auf den Grund gehen. Doch ist es wirklich so einfach? Faszinierendes Spiel mit Grusel und Horror hier.
In Gestrandet, der letzten Geschichte der Anthologie, begleiten wir Vale und kehren noch einmal zu Chloe und den Zeitstürmen zurück. Vale kann das gleiche, was auch Chloe kann: er kann die Zeitstürme wahrnehmen. Nur ist er noch ein Junge und schließt sich der Gruppe in der Höhle an. Chloe kümmert sich sogar rührend um ihn - bis zu dem Tag, an dem sie ihn mit den Männern der Gruppe hinunter ins Tal schickt, um Vorräte zu holen in der Stadt, die sie dort sehen. Vale wird klar, er muss sehr schnell erwachsen werden, sonst sind die Zeitstürme sein kleinstes Problem.
Ich gebe zu, ich bin immer noch verwirrt. Wie konnte diese Anthologie in der Reihe "Die Drachenreiter von Pern" veröffentlicht werden mit nur einer Kurzgeschichte darin, die etwas mit der Serie zu tun hat? Ich spreche hier sicher nicht die Qualität des Buches ab, beleibe nicht! Ich habe mich köstlich unterhalten gefühlt mit den Geschichten und es ist sicherlich eine der besten Anthologien, die ich in einer langen Zeit gelesen habe. Dennoch bleibt meine Verwirrung.