Penibel recherchiert und authentisch geschildert
Wie viele von uns, kenne ich Bernhard Cornwell als Autor historischer Roman wie Uthred-Saga, die König-Arthus-Sage, Starbuck-Reihe und natürlich die Sharpe-Reihe. Mit diesem Sachbuch über die Schlacht von Waterloo, die im Juni 1815 über vier Tage 15 km südlich von Brüssel, im damals zum Königreich Vereinigte Niederlande gehörenden Dorf stattgefunden hat, reiht er sich in die Reihe der Sachbuchautoren, die wie Johannes Willms, Marian Füssel oder Günter Müchler, um nur einige zu nennen, ein. Er beschreibt die Schlacht, die eigentlich aus drei Schlachten (Quatre-Bras, Ligny und Waterloo) besteht, sowohl aus Sicht Napoleons als auch aus der Perspektive Wellingtons und Blüchers. Doch nicht nur die drei maßgeblichen Feldherrn kommen zu Wort, sondern er zitiert aus zahlreichen Briefen und Tagebücher von Soldaten unterschiedlichster Rängen und Waffengattungen. Cornwells große Stärke ist seine Erzählkunst. Aus trockenen Depeschen und Befehlen zeichnet er ein Bild des Grauens. Das Buch ist also nichts für Zartbesaitete, denn die Auswirkungen der Angriffe mit Geschützen, Kavallerie und Infanterie wird nach Augenzeugenberichten realistisch geschildert. Napoleons letzte Schlacht ist nicht nur ein Gefecht gegen eine Allianz aus Briten, Preußen und Niederländern, sondern vor allem ein Kampf gegen Regen, Schlamm und mangelnder Aufklärung. Während Wellington das Gelände höchstpersönlich in Augenschein nimmt, verlässt sich Napoleon auf seine Marschälle wie Ney oder Grouchy, die den einen oder anderen Befehl Napoleons missverstehen. Mehrere Male wechselt das Schlachtenglück - die Gegner sind sich ebenbürtig. Die Alliierten begegnen einander mit Misstrauen. Zudem gibt es mit dem niederländischen Kronprinzen einen Heißsporn, der glaubt, alles besser zu wissen, und die eine oder ander eklatante Fehlentscheidung trifft. Allerdings ist auch Napoleon vor Irrtümern und Trugschlüssen nicht gefeit. Seinen Nimbus als unbesiegbarer Feldherr hat er spätestens 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig eingebüßt. Wie schon bei seinem Feldzug gegen Russland verlässt Napoleon das Schlachtfeld. Auch nach der verlorenen Schlacht von Waterloo wird Napoleon nicht aufgeben wollen. Am 22. Juni 1815 dankt er ab, spielt abermals mit dem Gedanken einer Rückkehr. Allerdings entzieht ihm das französische Parlament seine Unterstützung, denn die Armeen von Österreich (unter Schwarzenberg) und Russland (Barclay de Tolly) stehen kurz vor Paris. Am 3. Juli 1815 sind die Napoleonischen Kriege Geschichte. Er selbst besteigt die Bellerophone und nach St. Helena ins Exil gebracht, wo er 1821 stirbt. Fazit:Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten Sachbuch, das die Atmosphäre genau beschreibt und durch zahlreiche Abbildungen sowie viele an der Schlacht Beteiligte zitiert, ergänzt wird, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.