Sowohl ein fesselnder Thriller wie auch ein nachdenklich stimmender Roman ...
Dieser intelligent konstruierte Roman ist nichts für schwache Nerven. Auch wenn die hier thematisierte Suche nach dem "Teufels-Aspekt" gelegentlich die Grenze zur Fantasie überdehnt, so sind doch die Grundlagen und Zusammenhänge fundiert herausgearbeitet und können nicht so einfach ins Fach "Fantasy" geschoben werden. Das psychologische Hintergrundwissen ist auf der Höhe der Zeit angesiedelt, der Thriller spielt Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in der Tschechoslowakei, und auch die mit dem Geschehen verknüpften Mythen sind weder aus der sprichwörtlichen Luft gegriffen, noch werden sie zu einem schwer verdaulichen Brei verkocht.Mit anderen Worten: Zeit, Handlungen und Personen dieses Romans passen perfekt zusammen, sodass es dem Leser nicht schwerfällt, sich auf diesen Ebenen zu bewegen. Es fällt allerdings schon schwerer sich den Abgründen menschlicher Niedertracht im Detail zu nähern. Im Zweifelfall hilft hier nur schnelles Überlesen - insofern nichts für empfindliche Zeitgenossen. Doch wer über diese Passagen auf welchem Weg auch immer "hinwegkommt", wird mit einer Geschichte konfrontiert, man könnte auch von belohnt sprechen, die, neben einer stets vermitteln Spannung auch so manche historischen, psychologischen/psychiatrischen (u.a. einige Sichtweisen von C.G. Jung) und naturwissenschaftliche Fakten bereithält.Gekonnt ist die Verknüpfung der Formen des Wahnsinns, wie sie die sogenannten "Satanischen Sechs" verkörpern und dem heraufziehenden Wahnsinn des NS-Terrors. Während allerdings die sechs Verbrecher in einer Burg hermetisch von der Umwelt abgeschlossen leben, auch um ihren Wahnsinn messen und analysieren zu können (u.a. in narcoanalytischen Sitzungen), ist der sich entwickelnde NS-Terror ein schleichendes Gift, dass sich in vielen Köpfen breitmacht und die bekannten Gräuel erst möglich machen. Hier wird diese Entwicklung durch zwei Ärzte der Anstalt (Mitglieder der Sudetendeutschen Partei) verkörpert. Insofern wird hier das Böse als "Naturgewalt" oder "Schattenaspekt" dargestellt, die oder der in uns allen vorhanden ist. Diese Perspektive erlaubt auch einen fragenden Blick auf das eigene Sosein, auf eine von vielen Persönlichkeiten, die wir in verschiedenen Möglichkeitsräumen einnehmen können.Alles in allem sowohl ein fesselnder Thriller wie ein nachdenklich stimmender Roman: "'Gut und Böse sind ein und dasselbe. Gott und der Teufel sind identisch. Der Tyrann [Gott] und der Revolutionär [Teufel] ist eins. Alles, was wir tun, ist nur, uns für eine Seite zu entscheiden, aber am Ende tun wir alle Gutes und Schlechtes. Was wir anderen antun, tun wir uns selbst an.'"(22.11.2024)