Da ich großer Filmfan bin, hat mich hier die Idee mit den Filmbezügen am meisten gereizt, mit denen sich die Amnesie geplagte Mia sich durch ihre Erinnerungslücken navigiert. Einige Wochen zuvor war sie mit einer schweren Kopfverletzung desorientiert an der Straße ihrer Landvilla gefunden worden. Ihre Freund*innen aus Studienzeiten wollen nun Erinnerungen wecken.Die Idee, dass Mias Erinnerungen durch Filme gefiltert werden, finde ich weiterhin grandios. Dadurch war meine Erwartungshaltung allerdings total hoch - und die Lektüre enttäuschte mich dann dementsprechend. Die Filme verkamen im Großteil zum Namedropping, was besonders ungünstig ist, wenn die Lesenden die gar nicht gesehen haben. Bei einigen gab es ergänzende Sätze, warum wieso nun die Figur oder die Szene eine Assoziation weckte, aber das vergrößerte meinen Erkenntnisgewinn meist nicht. Ungünstig fand ich auch, dass ich - wenn ich die Filme nicht kannte - ob das nun der Film oder eine wiederentdeckte Erinnerung sein könnte. Da fehlte mir dann das Miträtseln ziemlich. Vielleicht, weil die Idee besser war, als ihre Umsetzung, zieht Schultz das mit den Filmen nicht wirklich durch und so rutscht das dann immer mehr weg.Was mir sehr gefiel, war die Freund*innen-Clique, deren dunklen Geheimnisse über die vielen Jahre sich immer mehr aufdecken. Eigentlich hätte so jede*r Motiv(e), auch, wenn wir selbstverständlich Lieblinge und Hass-Charaktere haben. Die Zeichnung der Charaktere gelingt sehr gut. Über einen Fakt bin ich dann zusätzlich gestolpert, weil man die Meldung einer Leiche einfach nicht so lange rauszögern kann, wenn es noch eine außenstehende Zeugin gibt. Und da das NIE thematisiert wird, aber mehrfach, wann sie die Meldung machen, stolperte ich mehrfach.Dennoch habe ich Krimi wegen der Freund*innen-Clique gerne gelesen 3 von 5 Sternen.