Die Zwillinge von Sommerbourne ist ein Roman voller Familiengeheimnisse, der auf zwei Zeitebenen spielt. Und tatsächlich war es das erste Buch in diese Richtung, das ich gelesen habe, aber es hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen.Der Schreibstil war sehr flüssig und leicht zu lesen - allerdings muss ich bemängeln, das in der Zeitebene der Gegenwart manchmal sehr abgehackt wirkende Absätze drin waren. Das hat mich etwas irritiert, war aber nicht weiter schlimm, nur auffällig, da es in der Zeitebene der Vergangenheit nicht so war.Die Figuren waren nicht unbedingt alle sympathisch. Es wird aus Sicht von Seraphine und Laura erzählt, wobei ich Laura noch am liebsten mochte. Seraphine wirkte sehr naiv, was aber der Tatsache geschuldet war, dass die Autorin einige Geheimnisse nicht zu schnell auflösen wollte.Aber die Nebenfiguren waren teilweise wirklich krank und man musste wirklich mit dem Kopf schütteln.Die Spannung war quasi von der ersten Seite an da. Das lag auch daran, dass man sofort in die Handlung hinein geworfen wurde und die Autorin sich nicht mit einer Charaktereinführung oder längeren Einleitung aufhält.Ab da offenbart sich ein Puzzlestück des tragischen Familiengeheimnisses nach dem nächsten. Die Autorin lockt und füttert einen mit immer neuen Bruchstücken an, führt einen auf falsche Fährten und sorgt dafür, dass man sich den Kopf darüber zerbricht, was in der Familie passiert ist und dass man es quasi nicht mehr aus der Hand legen kann.Wie gebannt bin ich durch die Seiten geflogen und muss zum Schluss sagen, dass ich das Geheimnis nicht allzu vorhersehbar fand. Teilweise konnte ich es entschlüsseln, aber da war noch einiges, womit ich nicht gerechnet hätte.Allerdings muss ich nach Beenden der Lektüre auch sagen, dass mir zu viele Dinge zu wage blieben und zu viel ungesagt blieb. Es gab Charaktere, die rein der Verwirrung dienten, was die Autorin gar nicht nötig gehabt hätte. Ich muss auch sagen, dass mir die Geschichte für das tiefgründige Thema zu unemotional erzählt wurde. Die Charaktere und ihre Gefühle blieben mir an vielen Stellen fern und ihre Handlungen waren oft nicht nachvollziehbar.Trotzdem ein spannendes Buch, bei dem aber nicht das komplette Potenzial ausgeschöpft wurde.