Die Sprache meines Bruders - Gesa OlkuszDieser Roman hat es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 geschafft. Beinah bin ich ein wenig traurig, dass er auf der Shortlist nicht mehr auftaucht. Aber nur beinah, denn so schön ich die Sprache und die Atmosphäre auch gefunden habe, inhaltlich bleiben mir doch so einige Fragen offen.In erster Linie geht es wohl um Einsamkeit, missglückte Integration und einen unerfüllten American Dream.Die Brüder Parker und Kasimir sind bereits als Kinder mit der Mutter von Polen in die USA ausgewandert. Angekommen sind sie dort jedoch nie. Beide bedauern eine verlorene Kindheit und konnten in der neuen Heimat nie Fuß fassen. Die Mutter scheint sich kurz nach der Ankunft selbst aufgegeben zu haben. Eine große bleierne Lethargie erfasst die Familie, die auch noch nach dem Tod der Mutter anhält. Die Brüder leben jahrelang in einem heruntergekommenen Haus, sprechen kaum miteinander, vegetieren vor sich hin. Ohne Antrieb ohne Ziel. Lediglich Parker hat einen schlecht bezahlten Job als Chauffeur. Als dessen Freundin Luzia eines Nachts ihre Sachen packt und geht, bricht auch das Zusammenleben der Brüder auseinander. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Mal wird Parker beleuchtet, mal Kasimir und auch Luzia spielt eine größere Rolle. Interessant, wie unterschiedlich sie die gleiche Situation wahrnehmen. Insgesamt wird in diesem Roman sehr wenig gesprochen und wenn, dann oft nur Oberflächliches. Zu sehr sind die einzelnen Protagonisten in ihrer jeweils eigenen Verzweiflung gefangen. Überhaupt ist dies eine sehr trübsinnige, melancholische Geschichte.Sprachlich hat mir der Roman hervorragend gefallen: "Vorerst waren sie allerdings sich selbst überlassen in einem Land, das wie ein riesiger Rachen aufgerissen stand und mit langer Zunge sorgfältig all das aufleckte, was Luzia später Identität nennen würde."Die extrem ruhig erzählte Geschichte lässt sich sehr eingängig lesen. Ihre Protagonisten taumeln nach jahrzehntelanger untätiger Lethargie nun völlig planlos durch eine Welt, die ihnen fremd ist.Sehr düster und hoffnungslos, jedoch sehr lesenswert.4 Sterne