Ein ruhig vor sich hin mäandrierender, der Aufklärung harrender, dennoch spannender, aber auf jeden Fall tief in die Theaterwelt blickender Kriminalroman der Extraklasse.Ein sympathischer, seinem sowohl beruflichen wie privaten Umfeld gegenüber großzügig agierendem Kommissär [sic!] ermittelt im Zeitraum des Übergangs: und zwar vom aktiven Berufsleben hinein in das nicht weniger spannende Pensionistendasein. Zwar fehlen ihm jetzt die kriminaltechnischen Möglichkeiten, doch diese macht er mehr als genug wett durch sein sprachliches Geschick und die damit verknüpfte Kombinationsgabe. Ganz unaufgeregt, sehr sympathisch; mit so jemand möchte man gerne befreundet sein.So findet man denn auch schnell Anschluss an das Geschehen, obgleich die handelnden Personen sehr zahlreich sind und die Stadt Basel (mit Umland) möglicherweise nicht jedem bekannt sein dürfte. Aber durch die feine Erzählweise (mit schönen schweizerdeutschen Wortgebilden wie in: "Ich habe eine Grippe gefasst." Oder auch: Zapfenzieher für Korkenzieher) wird der Leser sanft mitgenommen und befindet sich schon bald als Sozius des Kommissärs im großen Theater des Lebens sowie im demgegenüber kleinen Theater der Stadt Basel wieder, dessen Direktor abhandengekommen ist. Mord oder Südsee?Mit dieser und ähnlichen Fragen durchtaucht man den Fall und gleichzeitig die ach so undurchsichtige Theaterwelt mit den ach so besonderen Animositäten der dort tätigen. Sie alle bekommen ein wenig "Fett weg", wie beispielsweise die Dramaturgen ("Das Einzige, was sie beherrschen, ist Machtausübung.") oder die Kritiker ("... ein geschlossener Kreis von pseudorevolutionären Schwätzern."). Und denen, die eher unfreiwillig aus dieser Welt entfallen sind, bekommen auch eine Stimme - und was für eine: "Aber diesen Kollegen fehlen die Dimensionen. Sie denken eindimensional, sie denken nur mit dem Kopf. Den Bauch lassen sie weg, [...] Im Bauch liegt die eigene Vergangenheit, die eigene Schuld, die eigene Verzweiflung. Die Trauer über das eigene Leben. [...] Spielt man bloß aus dem Kopf heraus, so spielt man auf einer Saite, die keinen Resonanzkasten hat. Versuchen Sie es, streichen sie mit einem Bogen über eine Saite, die in der Luft hängt."Allein schon wegen solcher Sätze lohnt sich die Lektüre dieses Buches. Vielen Dank(17.6.2017)