Das beschauliche, vom Wetter her natürlich stark übersichtliche (Regen, Nebel, kühl), Edinburgh ist nicht mehr sicher.Vor allem deswegen nicht, weil die ermordeten Menschen wie wahllos ausgewählt an verschiedenen Orten gefunden werden.Von einem, der zerschlagen quasi lebendig begraben wurde am Waldrand zu einer, die einfach nur über die Straße geht. Menschen, die keine Verbindung zueinander haben. Die weder vom Geschlecht noch vom alltäglichen Leben her noch von der Art und Wiese, in der sie zu Tode kamen, irgendeinen Hinweis darauf geben, warum es genau sie trifft oder getroffen hat. "Der Tod trug keinen schwarzen Umhang mit tiefer Kapuze......der Tod war ein heimtückischer Mistkerl, der sich von hinten angeschlichen hatte. Das war nicht fair". Finden auch die Ermittler, Lively (der privat zudem noch eine schwere Zeit durchmacht) und seine Partnerin Salter (die auch damit zu kämpfen hat, dass ihre kleine Adoptivtochter ihre Zeit zu sehr bei einer Tagesmutter verbringen muss, damit sie möglichst schnell wieder im Dienst sein konnte). Was im Übrigen, bis in Nebenrollen und die kleinen Nebendetails herein und im Blick auf die Alltagsumstände der Protagonisten, auf alle Seiten des Geschehens, dem Thriller eine emotionale und menschliche Qualität gibt, die Leser und Leserinnen durchgehend auch emotional mit den Ereignissen und Personen verbindet. Was ebenso auf die Chefin der Mordkommission, Superintendentin Overbeck zutrifft, auch wenn diese Figur zunächst überzeichnet erscheinen mag. Ist sie am Ende aber nicht, sondern genau passend, bis hin zu ihren unüblichen, überaus auffälligen Fingernägeln, die eher noch die (zugegeben, tiefliegende) emotionale Seite der harschen Frau unterstreichen. Alles tappt im Dunkeln, der Druck steigt. Als Overbeck entscheidet, eine Profilerin zuzuziehen. "ne Figur wie eine NFL-Cheerleaderin mit einem IQ wie Einstein". Dr. Connie Woolwine. Mit ihrem kongenialen, ihr sehr zugetanen Assistenten Brodie Baarda. Eine Frau, deren Ermittlungsmethoden, deren Umgang mit den Überresten der Ermordeten, zunächst den Atem stocken lässt, in dieser Form nur selten bisher in so plastischer Weise in vergleichbaren Thrillern dargestellt. Eine Intensität der Empathie, die auch Baarda manches Mal an die Grenzen seiner emotionalen Belastbarkeit bringen werden. Eine Profilerein, die wie ein guter Körpertherapeut Menschen auf Anhieb zu lesen versteht. Und daraus auch keinen Hehl macht. Was Dichte in den Thriller und die Beziehungen der handelnden Personen untereinander bringt. Was zu einer hervorragenden Chirurgin führen wird, die sich in der Klinik aufopfert und mit Lively eine besondere, "lebensrettende" Beziehung noch erleben wird. Während sie, ohne es zu ahnen, selbst in große Gefahr geraten wird. Jede Menge hervorragender Zutaten, bis hin zu der, erst langsam, dann deutlicher ins Licht tretenden, Zerbrechlichkeit von Connie Woolwine, bei der alles zu allem passt und am Ende mit einem krachenden, völlig überraschenden Finale noch einmal aufwühlen wird. Bis dahin aber ist jede Seite spannend, emotional packend, türmen sich Gefahren auf, samt einprägsamen Begegnungen und kleinen Schnipseln von Puzzleteilen, die nur langsam, aber restlos überzeugend und in sich stimmig am Ende ein perfektes Bild erleben werden. Ein hervorragender Thriller.