Die Autorin zeigt auf, wieso das Leben der Messalina einer Neueinordnung und Neuinterpretation bedarf.
Für mich gab es zwei Gründe aus denen ich dieses Sachbuch gerne lesen wollte:1. Eine fachliche Auseinandersetzung mit einer weiblichen Persönlichkeit aus der Antike und2. Der gewählt reißerische Titel.Die Autorin hat klassische Archäologie und Alte Geschichte studiert und promoviert derzeit zu politischen Sexskandalen im alten Rom. Dieses Sachbuch ist also fast so etwas wie ein Nebenprodukt, welches einfach geschrieben werden musste, denn wenn man sich mit Sexskandalen in der Antike beschäftigt, dann ist Messalina ein Name, zu dem alle Wege führen (Entschuldigung! Aber ich konnte es nicht sein lassen).Der Aufbau führt den Leser zunächst einmal vor Augen in welchem Kontext die Quellen aus denen unser Wissen zu Messalina stammt, einzuordnen sind. Es wird hier bereits deutlich, dass von zuverlässigen Quellen nur schwer die Rede sein kann. Zumeist und besonderes die relevantesten Quellen sind von Männern verfasst. Zeitlich sind Schriften über Messalina nicht zu ihren Lebzeiten angefertigt worden und der Fokus lag nur teilweise auf ihr. Die Autorin zieht nicht nur die klassischen Quellen heran, sondern versuchte sich ein neues Bild mit noch so kleinem zur Verfügung stehenden Hinweis zu machen.Messalina lebte zudem in einer Zeit in welcher Männer schrieben und definierten was sich schickte und als Frau Erwähnung in einer Schrift eines Mannes zu finden, war kein Indikator für ein sittliches Benehmen.Sittlichkeit und Messalina sind ohnehin schwer zu vereinbarende Begrifflichkeiten. Worauf in diesem Sachbuch aber Wert gelegt wird, ist herauszustellen wieso Messalina gehandelt und gelebt hat wie sie es (vermutlich) tat.Dieses Sachbuch zeigt eine neue Interpretationsmöglichkeit zu der antiken Persönlichkeit Messalina, die sich in einer Männer dominierten Welt nicht nur versuchte zurecht zu finden, sondern ihre Intrigen und Machtspiele selbst zu spielen und ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen.Wurde Messalina in den bisherigen Darstellungen ihrer Person Unrecht getan? Konnte sie gar nicht anders handeln und musste sie selbst zwingend intrigant agieren um zu leben? Ist ihr Ruf nur deswegen über die Jahrhunderte so negativ verblieben, weil sie eine Frau ist, die sexuell ausschweifend war und eine exzessive Sexgeschichte nach der nächsten hervorbrachte? Bei ihr ist dies jedenfalls nicht positiv hervorgehoben worden.Meiner Meinung nach gelingt es der Autorin Messalina, ihr Leben und ihre Entscheidungen, nachvollziehbar für den Leser in einen historischen Kontext zu setzen und gleichzeitig auf die damit verbundenen Schwierigkeiten für den Wahrheitsgehalt und die objektive Betrachtung einzugehen. Sie stellt zu dem klar, dass nach den vorliegenden Quellen Messalina keineswegs als das große feministische Vorbild gelten sollte, jedoch zumindest wahrgenommen werden sollte, dass Messalina eine intelligente, einfallsreiche und durchaus erfolgreiche Frau war.