Eine originelle, faszinierende und letztendlich doch etwas kantige Geschichte über eine mysteriöse Kugel
Die indische Kugelbeginnt rasant: Wir treffen auf viele Figuren und verlieren einige davon ebenso schnell wieder. Die Erzählung springt von Szene zu Szene und öffnet Stück für Stück den Blick auf das große Ganze - ein Prozess, der sich bis zur letzten Seite entfaltet. Die mysteriöse Kugel, deren Ursprung lange unklar bleibt, ist dabei der rote Faden und hält den Roman zusammen. Der Beginn ist direkt sehr einladend und durch das "Folgen" der Kugel sehr spannend.Die Figuren selbst wirken jedoch eher unzugänglich. Manche Verhaltensweisen und Gedankengänge sind schwer nachvollziehbar, gelegentlich überzeichnet oder etwas klischeehaft. Vieles fühlt sich weniger authentisch an, eher wie unorganische Konstruktionen, die etwas unbeholfen daherkommen. Obwohl die emotionale Bindung zu den Charakteren damit ausblieb, konnte mich die Geschichte insgesamt doch sehr fesseln. Besonders gelungen sind die Kapitel aus der Vergangenheit in Indien, welche eine eigene Geschichte innerhalb der Hauptgeschichte darstellen.Sprachlich wird oft auf einen sachlichen und zweckmäßigen Ton zurückgegriffen. Manche Sätze sind lang und sperrig, was den Lesefluss teils etwas bremsen kann. Hinzu kommen sich wiederholende Figurenbeschreibungen, was stellenweise etwas ermüdend ist.Trotz allem istDie indische Kugelein Werk mit einer faszinierenden Grundidee. Bis zum Ende habe ich die Wendungen genossen und wurde immer wieder neu eingeladen, der Geschichte zu folgen. Auch wenn manches stilistisch etwas fragwürdig ist, besitzt die Mischung aus Rätsel, Familiengeschichte und spirituellen Unterton das gewisse Etwas einer guten Geschichte und lässt den Leser mit vielen neuen Gedanken zurück.