Sechs Monaten nach der Hochzeit, im Winter 1899 reisen der Schriftsteller Evelyn Dolman und Laura Rensselaer nach Venedig. Ihre verspäteten Flitterwochen wollte Laura unbedingt in Venedig verbringen. Der Aufenthalt in der Lagunenstadt endet jedoch für Evelyn Dolman fatal. Laura, nachdem er sie sexuell missbraucht hat, verschwindet am nächsten Tag spurlos. Danach kommt es zu mehreren unerklärten Vorfällen, Dolman selbst beginnt an seinem Verstand zu zweifeln und letztendlich muss er die Stadt verlassen. Zurück in England erzählt Evelyn selbst über den Aufenthalt in der winterlich kalten, düsteren Stadt. Ausführlich berichtet er über einige unheimliche Ereignisse, die bereits bei der Ankunft in dem Palazzo Dioscuri am Canal Grande ihren Anfang hatten. Die schaurigen Geschichten über den kalten, geräumigen Palazzo, die sein dubiöser Besitzer seinen Gästen gleich am ersten Abend servierte, die unheimlichen Gestalten welche in den sonst leeren Räumen des Gebäudes plötzlich erschienen und die kalte, von Nebel umhüllte Stadt, machten dem verwirrten Schriftsteller zu schaffen. Er fühlte sich verfolgt und zweifelte an seinem Verstand. Doch all diese unheimlichen Vorfälle hinderten ihn nicht nach heimlichen Abenteuern in den Gaststätten der verhassten Stadt zu suchen. Fast hätte ich Mitleid mit dem in einer fremden, unheimlichen Stadt verlassenen Ehemann, der sich laut über sein ungerechtes Schicksal beschwerte. Aber kann ich der Erzählung des gekränkten, geschwätzigen Ehemannes und gleichzeitig eines enttäuschten Mitgiftjägers Glauben schenken? Evelyn Dolman ist kein sympathischer Protagonist des Romans. Mit Zweifel und Misstrauen habe ich seine unglaubliche Geschichte verfolgt, in der er vor allem als selbstgefälliger Snob glänzt. Der Roman ist hochspannend. Nicht nur die merkwürdigen Geschehnisse in der Stadt der Gondeln lassen viel Raum für Spekulationen, auch der unzuverlässige Erzähler Evelyn trägt mit seiner Erzählung erheblich dazu bei. Für viel Spannung sorgen einige interessante Wendungen und das spektakuläre Ende, für welches der Autor einige Überraschungen parat hält. Nicht nur die interessante Handlung hat mich für diesen Roman begeistert. Vor allem die fesselnde Sprache des Autors, mit der er meisterhaft die schaurige Atmosphäre vermittelt und das düstere Bild der Stadt Venedig gekonnt zeichnet, haben mich fasziniert.