Eine tolle Mischung aus lustigen, spannenden, actionreichen und skurrilen Momenten.
Inhalt:Anwalt Björn hat ein riesengroßes Problem: Seinem Mandanten, dem Gangsterboss Dragan, ist ein "kleines Missgeschick" unterlaufen, das sich nach genauerem Nachfragen als gewaltiges Desaster entpuppt. Vor den Augen gleich mehrere Zeugen hat Dragan jemanden umgebracht, indem er ihm wortwörtlich "Feuer unterm Hintern" gemacht hat. Jetzt erwartet er von Björn, dass dieser die Situation rettet und bedroht ihn. Björn ist überfordert und furchtbar gestresst, aber zum Glück hatte ihn seine Frau kürzlich zu einem Achtsamkeitscoaching überredet, dass sich in dieser Situation unerwartet als äußerst nützlich erweist...Meine Meinung:Das ist endlich mal ein Buch, das tatsächlich lustig ist und bei dem das nicht bloß ein leeres Versprechen ist! Es gibt ja leider auch Bücher/Filme, die enttäuschen, weil die Witze zu flach, zu pubertär oder zu oft unter der Gürtellinie sind. Zum Glück ist das hier nicht der Fall. Gleichzeitig ist das Buch auch noch von Anfang bis Ende spannend und punktet mit überraschenden Wendungen.Die vielen lustigen Momente haben mich sehr für das Buch eingenommen. Es folgt eine lustige, skurrile und verrückte Szene auf die nächste. Es hat mir großen Spaß gemacht das Buch zu lesen. Obwohl man es darin u. a. mit Körperverletzung, Totschlag, Mord, Folter, Leichenzerstückelung, korrupten Polizisten und Explosionen zu tun bekommt haben viele dieser eigentlich heftigen Geschehnisse (z. B. die "Sauerei" im Bootshaus und die Sache mit der Elster) überraschenderweise durchaus auch eine lustige Seite. Was das angeht hat mich das Buch ein wenig an einen Tarantino-Film erinnert. Die Kombination aus Humor und Action ist hier wirklich ein Volltreffer.Trotz dieser vielen lustigen Szenen ist es durchaus ein ernstzunehmender Thriller, der nie zu sehr in Albernheiten abdriftet. Die Handlung ist richtig spannend und das Buch überzeugt mit unerwarteten, außergewöhnlichen und äußerst unterhaltsamen Wendungen. Außerdem ist das Erzähltempo hoch. Björn gerät in einen immer größer, gefährlicher und verhängnisvoller werdenden Schlammassel und dabei sind ihm nicht nur skrupellose Verbrecher, sondern auch die Polizei dicht auf den Fersen. Man "fliegt" durch die Seiten, weil man unbedingt wissen will wie er da wieder herauskommen will. Es ist höchst unterhaltsam zu sehen wie geschickt es Björn gelingt sich durchzuschlagen und auf welch unerwartete Weise ihm dabei Achtsamkeitsprinzipien helfen. Ganz besonders lustig fand ich z. B. um welche "Unternehmensparte" Björn die Verbrecherorganisation eigenmächtig erweitert, weil ihm das bei einem seiner privaten Problemchen entgegenkommt.Man fiebert mit Björn mit und kann sich sehr gut in ihm hineinversetzen - und das obwohl er langsam aber sicher vom rechten Weg abkommt und zu immer skrupelloseren Methoden greift. Er tut das, weil sein Leben bedroht ist und weil er seine Familie beschützen will. Klar, es ist natürlich krass, etwas unheimlich und zutiefst unmoralisch wie Björn die sehr speziellen Probleme angeht, aber zumindest seine Beweggründe sind verständlich und lassen ihn nahbar wirken. Zudem merkt man, dass Björn die Ereignisse nicht völlig kaltlassen. Er hat mit einem schlechten Gewissen, jeder Menge Stress und Angst zu kämpfen. Trotzdem verwundert es aber nicht, dass Björn die Dinge auf äußert illegale und unkonventionelle Weise selbst in die Hand nimmt statt sich an die Polizei zu wenden, denn er verstrickt sich selbst derart schnell in kriminelle Handlungen, sodass es in dieser Hinsicht einfach kein Zurück mehr gibt. Da die Leute, die direkt bzw. indirekt durch Björn zu Tode kommen schlechte Menschen und gefährliche Kriminelle sind ist es ehrlicherweise auch nicht so, dass es einem um diese Verluste leidtut. Stattdessen ertappt man sich dabei, dass man es Björn wünscht, dass er mit seinen Taten davonkommt. Im Umgang mit seiner kleinen Tochter Emily ist Björn so süß und fürsorglich, dass er Sympathiepunkte sammelt. Außerdem muss man zugeben, dass Björn sehr intelligent, tatkräftig und kreativ ist. Die Sache mit dem Gipsabdruck und den Blankovollmachten, die Lösung des "Toni-Problems", die neue "Unternehmensparte" und die Inszenierung beim finalen Showdown sind schlau gemacht. Er ist ein Kämpfer.Auch die Nebencharaktere haben mich voll und ganz überzeugt und sie haben die Handlung bereichert. Allen voran Dragans Handlanger Sascha. Ihn habe ich überraschenderweise tatsächlich ein bisschen ins Herz geschlossen. Sascha ist nämlich trotz seiner Zugehörigkeit zu einer Verbrecherbande überraschend klug, empathisch und besonnen. Für Björn erweist er sich als loyaler und verlässlicher Verbündeter. Der Gangsterboss Dragan ist hingegen das komplette Gegenteil. Er ist gefährlich, gewalttätig, unberechenbar, jähzornig, verfügt über eine geringe Frustrationstoleranz und lässt sich zu unüberlegte Aktionen hinreißen, die sein Anwalt für ihn ausbügeln soll. Da ist es klar, dass er für nichts als Ärger sorgt und man hat großes Mitleid mit Björn, der sich mit diesem gefährlichen Verrückten herumplagen muss. Auch Dragans rechte Hand Toni ist eine wandelnde Katastrophe - schlecht für Björn, aber es garantiert unterhaltsame Lesestunden. Eine Nebenfigur tat mir ziemlich leid. Die arme Frau Bregenz hatte das mit ihrer Wohnung echt nicht verdient!Das Ende überzeugt mit einem spannenden Showdown, der Überraschungen bereithält. Man merkt zwar, dass die Geschichte rund um Björn noch nicht auserzählt ist, aber man wird nicht mit einem fiesen Cliffhanger zurückgelassen.Übrigens erfährt man nebenbei unkompliziert und niederschwellig einige durchaus interessante Dinge über das Thema Achtsamkeit. Es gibt den einen oder anderen guten und brauchbaren Tipp (z. B. für den Umgang mit Stress) bei dem ich mir tatsächlich vorstellen könnte das eventuell mal auszuprobieren.Fazit:Das Buch überzeugt mit einer tollen Mischung aus Humor, Spannung und Action. Es ist eines der lustigsten Bücher, die ich bisher gelesen habe und hat mich von der ersten Seite an prima unterhalten.Zum Schluss noch ein paar der besten Zitate aus dem Buch:Aber alles, was ich getan habe, habe ich in bester Absicht getan. (S. 9)Aber es war nicht meine Aufgabe, anderen Menschen unser Rechtssystem zu erklären. Es war mein Job, dieses System nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Ich verdiente mein Geld, indem ich schlechten Menschen Gutes tat. Punkt. Und das beherrschte ich perfekt. Ich war ein hervorragender Strafverteidiger. (S. 12)[Dragan:] "Du bist der Anwalt. Also mach was, und regle die Scheiße." [...] [Björn:] "Richtig. [...] Ich bin Anwalt. Ich bin keine Klempner. Aber wenn die Scheiße derart massig kommt, stoße auch ich an meine Grenzen." [Dragan:] "Du spulst jetzt dein Anwaltsprogramm ab, oder du kannst die Scheiße fressen." (S. 83)Ich war am Ende. Als Ehemann, als Vater, als Anwalt. Aus und vorbei. Doch exakt in diesem Moment machte sich das zwölfwöchige Achtsamkeitstraining bezahlt. Wie in himmlisches Strahlen aus den schwarzen Wolken meiner Seele spürte ich in mir eine völlige Ruhe. (S. 87)[Polizist:] "Björn - dein Mandant steht im Mittelpunkt einer Mordermittlung. Und es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass er selbst Opfer eines Verbrechens geworden ist. Zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, der sehr viel mit dir zu tun hat. Ich verstehe überhaupt nicht, wie dich das alles so kaltlassen kann." [Björn:] "Achtsamkeit." (S. 224)