Beinahe wäre ich verzweifelt, dass mich kein Grauner-Krimi mehr erfreuen würde, da kam wie ein Geschenk vom Himmel Lenz Koppelstätters neues Buch auf mein iPad. Und ausgeruht und zufrieden in ihm nach langer Weltreise der Kommissar der Polizia di Stato Johann Grauner. Der Ispettore Saltapepe und seine Assistentin Tappeiner, unterdessen ein echtes Ehepaar und doch immer noch Partner bei kriminalistischen Ermittlungen, wollen die Gunst der Stunde nutzen und eine Auszeit auf einer Berghütte nehmen. Was auch für den Neapolitaner Saltapepe unterdessen nicht mehr ungewöhnlich ist, der hat sich nämlich an die Bergwelt gewöhnt und fährt auch ganz passabel Ski. Aber wie das so ist mit der Planung in Polizeikreisen, es kommt etwas dazwischen, kaum sind die beiden oben angelangt an ihrer Hütte.Einer Toter auf der Piste jagt alle von ihren Plätzen, es ist der talentierte Skirennfahrer Philipp Ungerer, den es mitten im Weltcup-Rennen umgehauen hat. Und das kurz vor Weihnachten, mitten im schönsten Südtirol, auf den schönsten Abfahrthängen der Saslong. Wer Südtirol kennt, verspürt wahrscheinlich wie ich die ganze Zeit ein Fernweh sondergleichen, Koppelstätter lässt den Leser mitfühlen, mitrutschen, hinfallen und wieder aufstehen. Aber der Tote steht leider nicht wieder auf, er ist nicht nur gestürzt, er wurde erschossen, so präzise, dass es schon (oder schön?) unheimlich wird. Die Polizisten begeben sich auf die Spuren aller, die mit dem jungen Ungerer zu tun hatten, zuerst seine Eltern, dann der ehemalige, nun verschwundene Skikamerad Armin Waldsteiner, und dessen Eltern, dann noch andere, immer mehr Verdachtsmomente kommen auf. Einzig über jeden Verdacht erhaben ist die alte Frau Mulser, die so fantastische Preiselbeermarmelade fabriziert und verschenkt.Koppelstätter schreibt sich richtig in Fahrt, es wird spannend und das Ermitteln ist mit einigen Tücken verbunden, mir hat das Lesen solchen Spaß gebracht, es hätte sich noch etwas hinziehen dürfen. Dass Grauner zwischendurch den Staatsanwalt Belli um Frühpensionierung bittet, hat mir die Freude etwas getrübt, ich hoffe bis nächstes Weihnachten überlegt sich der Autor das doch noch einmal anders. Dies war der 11. Fall, da könnte das Dutzend ja noch voll werden. Nur bitte demnächst wieder ohne Spendenaufrufe.Fazit: Unbedingte Leseempfehlung!