4,5¿¿ Packendes Familiendrama um zwei Schwestern mit Thriller-Elementen.
"Manche Leute haben Probleme mit Kensington, aber für mich ist das Viertel so etwas eine Familienangehörige geworden, leicht problematisch, aber teuer im altmodischen Sinne des Wortes, kostbar, wertvoll für mich. Anders ausgedrückt, ich hänge daran."In ihrem vierten Roman "Long Bright River" nimmt uns Liz Moore mit nach Kensington. Aber nicht etwa in das gehobene Viertel Londons mit seinen hübschen, imposanten viktorianischen Stadtvillen, sondern in den Stadtteil Philadelphias, der vor allem als größter Drogenmarkt im Osten der USA verschrien ist. Eine Heroinhölle! Die Armutsrate ist hoch. Die Hoffnungslosigkeit an jeder Ecke greifbar. Gewalt, Prostitution und Verbrechen an der Tagesordnung. Die Politik versagt hier auf ganzer Linie."Die Hälfte der Leute auf den Gehwegen sinkt allmählich Richtung Erde, weil ihre Beine sie nicht mehr tragen können."Mickey und ihre Schwester Kacey verstehen sich schon seit vielen Jahren nicht mehr. Irgendwann ist Kacey abgerutscht. Um sich ihre Drogen zu finanzieren verkauft sie ihren Körper an widerliche Typen. Als Streifenpolizistin hat Mickey glücklicherweise die Möglichkeit ihre Schwester im Auge zu behalten und aus der Ferne über sie zu wachen - soweit das möglich ist. Doch als eine Reihe von Morden an Prostituierten Kensington bis ins Mark erschüttern und Kacey plötzlich verschwunden ist, macht sich Mickey auf die verzweifelte Suche nach dem Mörder und nach ihrer Schwester. Die Angst, die nächste Tote könnte ihre Schwester sein, macht Mickey schier wahnsinnig."Wenn es um Freier geht, bin ich nicht unparteiisch oder objektiv. Ich hasse sie ganz einfach: Ihre Körperlichkeit widert mich an, ihre Gier, ihre Bereitschaft, jemanden auszunutzen, ihre Unfähigkeit, ihre niedrigsten Instinkte zu kontrollieren."Wir steigen langsam in die Geschichte ein. Moore lässt sich Zeit uns die Lebensumstände der Schwestern und ihre Beziehung zueinander darzulegen und so braucht die Story etwas, ehe sie so richtig in Fahrt kommt. Aber von Anfang an wird klar: Dieses Buch könnte wehtun. Und so ist es auch. Moore erzählt uns diese teils tragische Familiengeschichte aus Sicht von Mickey. Durch ihre Augen wandeln wir durch das von Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit geprägte Kensington. Alles wirkt trist, düster und dreckig. Die Atmosphäre, welche Moore hier geschaffen hat, ist überaus bedrückend und die Charaktere sind sehr authentisch und real. Sie haben ihre guten, wie auch ihre schlechten Seiten. Sie haben ihre Probleme. Das macht diese Geschichte so eindringlich und packend. Auch ist nicht alles wie es vielleicht scheint, was im Laufe der Story zu einigen Wendungen geführt hat. Ein wirklich großartiger und packender Roman, der mich vor allem in der zweiten Hälfte kaum noch losließ.Am Ende macht Liz Moore deutlich, dass man zwar in demselben Haushalt aufwachsen kann, dass aber die Entscheidungen, die wir selbst im Laufe unseres Lebens treffen, uns auf unseren eigenen Weg führen. Der kann schön sein oder auch nicht. Es ist unsere Entscheidung. Nicht der Zufall. Es liegt in unserer Hand. Und ja, Fehler sind menschlich. Aber man kann sie korrigieren. Man muss es nur selbst wollen."Ich muss an Mrs. Mahon denken, wie sie Hand über dem Schachbrett bewegt hat. 'Sie sind böse und gleichzeitig gut, alle Figuren.' Diese Weisheit kann ich bis zu einem gewissen Grad anerkennen."Übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.