Ich durfte "Küsse unter Kokospalmen" von M. L. Busch aus dem Verlag Digital Publishers als Rezensionsexemplar lesen, was meine Meinung jedoch in keiner Weise beeinflusst. Tatsächlich war es weniger das Cover, sondern mehr der Titel, der mein Interesse geweckt hatte. Das Cover fand ich in Ordnung und absolut passend zur Geschichte, aber es waren nicht meine bevorzugten Farben. Der Klappentext hat mich hingegen sofort gepackt und da ich vor längerer Zeit den zweiten Teil der Trilogie gelesen hatte, wollte ich den Teil unbedingt haben.
Was M. L. Busch besonders gut gelungen ist, ist die Darstellung von Hawaii/O'ahu und der Ananas Plantage. Ich hatte das Gefühl, beim Lesen vor Ort zu sein, sodass es etwas von einem Kurzurlaub hatte. Auch der Humor der Autorin hat meinen Geschmack getroffen, wodurch ich mich noch besser unterhalten fühlte.
Der Schreibstil von M. L. Busch war nicht schlecht, hakte jedoch zwischendurch. Besonders das Wort "besitzen" wurde leider zu stark ausgereizt, vor allen an Stellen, an denen das typische "haben" viel besser gepasst hätte. So BESITZT das Zimmer von Pierce einen Balkon und Ana freut sich über den Spitznamen, da sie sonst nie einen Spitznamen BESITZT. Das sind nur zwei der Beispiele aus dem Buch. Das war keine große Sache, aber es fiel eben auf. Was mich hingegen sehr gestört hat, war, dass Ana mit ihren 25 Jahren öfter mal wie ein Teeanger rüber kam. So war ihr Bruder in einem Moment der blödeste Bruder der Welt für Ana und im nächsten Moment der beste Bruder der Welt, dann wieder der schlimmste usw. Und das, wohlgemerkt, wegen Kleinigkeiten. Wie man es halt von 15-jährigen kennt. Ich hatte mich zwischenzeitlich gefragt, ob die Autorin sich vertippt hatte und Ana eigentlich 15 sein sollte. Vom Verhalten und Charakter her, hätte sie maximal 19 sein sollen. Der Hauptgrund, warum ich nur 3,5 Sterne geben konnte, war das extreme "Mehr ist Mehr": Natürlich tauchte auf einmal der Studienfreund ihres Bruders auf und wollte sie auf besonders nervige Weise zur Hochzeit zwingen, während der Vater von Pierce, dem Protagonisten, in Schwierigkeiten. Durch dieses künstlich erzeugte Drama-Gehabe war ich zwischenzeitlich so genervt, dass ich das Buch länger liegen ließ. Die Geschichte wäre viel natürlicher und schöner gewesen, wenn nur eines der beiden Dramen (Papa-Probleme von Pierce oder Möchtegern-Verlobter von Ana) Thema gewesen wäre. Auch die spicy Szene hätte ruhig weggelassen werden können, denn das, was wir bekamen, ähnelte vom hölzernen Ton und dem schnellen Abarbeiten à la Augen zu und durch mehr an eine Gebrauchsanweisung und war kein bisschen ästhetisch.
Dennoch bietet "Küsse unter Kokospalmen" eine nette Unterhaltung für zwischendurch. Auch wenn ich es schade finde, dass kein einziges Mal eine Kokosnuss vorkam. Da hätte die Ananas statt der Kokosnuss im Titel viel mehr Sinn ergeben. Wer eine Art Kurzurlaub sucht und einen lockeren Liebesroman mit Setting in Hawaii möchte, dem kann ich das Buch dennoch empfehlen. Da ich den Schreibstil, bis auf einige Ausnahmen, gerne mochte und mir die Charaktere gefielen (selbst Ana in den meisten Momenten), kann ich mir gut vorstellen, den dritten Teil zu lesen. Von mir gibt es 3,5 von 5 Sternen und eine Lese-Empfehlung für jeden, der kein Problem mit übertriebenen Drama, ausbaufähigen Spice-Szenen und einer teils kindischen Protagonistin hat.