Mit House of Blight eröffnet Maxym M. Martineau ihre Threadmender-Chroniken und wirft uns direkt in eine Welt, in der Heilung ebenso gefährlich ist wie die Krankheit selbst. Eine junge Frau, die Leben retten kann - aber möglicherweise mit ihrer eigenen Lebenszeit bezahlt. Das sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für moralische Fragen, die die Geschichte immer wieder begleiten.Im Zentrum steht Edira, die gezwungen ist, ihre verborgene Gabe einzusetzen, als ihre Brüder von einer tödlichen Seuche befallen werden. Doch kaum zeigt sie, was sie kann, gerät sie ins Blickfeld der rätselhaften Familie Fernglove. Ihr prachtvolles Anwesen wirkt nach außen glänzend, doch darunter liegt eine Atmosphäre aus Misstrauen, Machtspielen und unausgesprochenen Drohungen. Genau dieses düstere Setting - fast wie ein magisches, leicht unheimliches Herrenhaus voller Geheimnisse - gehört für mich zu den größten Stärken des Romans.Martineaus Stil liest sich sehr flüssig und ist angenehm zugänglich. Besonders die Beschreibungen der Orte haben mir gefallen: Man spürt förmlich die dunklen Flure, die Spannung zwischen den Figuren und diese unterschwellige Gefahr, die über allem liegt. Es gibt viele Szenen, die fast märchenhaft wirken, während gleichzeitig ein leicht gothischer Ton mitschwingt.Allerdings hatte ich das Gefühl, dass sich der Rhythmus des Buches im Verlauf verändert. Am Anfang konnte ich noch richtig in die Geschichte eintauchen und bin durch die Seiten geflogen. Doch je mehr Figuren und Konflikte dazukommen - vor allem rund um die Beziehungen und das entstehende Gefühlsdreieck - desto gehetzter wirkte die Handlung auf mich. Einige wichtige Entwicklungen passieren plötzlich sehr schnell, obwohl sie eigentlich mehr Raum verdient hätten.Das Buch spielt viel mit Andeutungen und kleinen Hinweisen. Wer gerne versucht, Geheimnisse Stück für Stück zusammenzusetzen, wird hier definitiv Spaß haben.Die Welt und das Magiesystem haben großes Potenzial. Die Idee der Threadmender, der Seuche und der Machtstrukturen innerhalb der Familie Fernglove fand ich wirklich faszinierend. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass diese Aspekte noch stärker ausgearbeitet werden - gerade die Hintergründe der Seuche bleiben teilweise etwas im Schatten.Das Finale liefert einige Antworten, lässt aber gleichzeitig genug offen, um neugierig auf die Fortsetzung zu machen. Es fühlt sich weniger wie ein harter Cliffhanger an, sondern eher wie ein Versprechen: Die eigentliche Geschichte könnte gerade erst beginnen.Fazit: House of Blight startet mit einer starken Idee, einer atmosphärischen Welt und einem sehr angenehm lesbaren Stil. Gleichzeitig fehlt es stellenweise an Tiefe bei den Figuren und an Ruhe für wichtige Entwicklungen. Trotzdem hat mich die Geschichte gut unterhalten - besonders wegen der düsteren Stimmung, der Intrigen und des spannenden Magiekonzepts.¿ 3,5 von 5 Sternen Ein vielversprechender Reihenauftakt mit starker Atmosphäre - und der Hoffnung, dass der nächste Band noch mehr aus dieser Welt herausholt.