Ein weiterer spannender Fall mit Grohsmann und Kettler
"Wienerberg" ist der vierte Fall von Felix Grohsmann und Joe Kettler, sowie der forensischen Psychologin Nicky Witt.Mina Albich entführt uns in ihrem vierten Wien-Krimi zur ehemaligen Richtstätte am Wienerberg. Dort wurde im frühen 19. Jahrhundert Therese Kandl als erste Frau gehängt. Heute ist an der alten Richtstätte ein Wasserturm mit einem Wasserspielplatz und die "Spinnerin am Kreuz", die gotische Bildsäule auf dem Cover.Als die achtjährige Mara ihren Käfer beim Spielplatz begraben will, findet sie einen Knochen, der sich kurze Zeit später als Oberschenkelknochen eines Menschen entpuppt. Dieser verstarb vor ungefähr dreißig Jahren. Deshalb suchen Grohsmann und Kettler nach Vermisstenfällen aus dieser Zeit. Bald entwickelt sich dieser Cold Case aber als sehr komplexer Fall. Zusätzlich deutet viel darauf hin, dass damals schlampig gearbeitet wurde, um einigen höheren "Persönlichkeiten" nicht auf die Zehen zu steigen. Als es jedoch zu einem Mordanschlag kommt, der anscheinend mit dem Cold Case von damals zusammenhängt, wird die Ermittlergruppe nervös.Psychologin Nicky Witt nimmt sich Mara an, die seit dem Knochenfund belästigt wird. Nächtens kommt es immer wieder zu "Geistererscheinungen" vor ihrem Fenster, was Mara sehr verängstigt. Das Mädchen, welches als leicht autistisch gilt, ist blitzgescheit. Ihre alleinerziehende Mutter kommt allerdings nicht wirklich mit ihr zurecht und tut diese Erscheinungen als Hirngespinste ab.Die Figuren sind wieder lebendig und facettenreich und bis hin zu den Nebenfiguren sehr authentisch dargestellt. Mir waren es diesmal aber fast zu viele Charaktere. Behilflich war dabei das Personenregister am Anfang des Buches.Der Schreibstil von Mina Albich lässt sich sehr gut lesen und vor allem das Lokalkolorit ist wieder absolut gelungen. Immer wieder "spukt" auch Theresa Kandl im Krimi herum und erinnert an ihr Schicksal. Man erlebt Wien aus verschiedenen Blickwinkeln und fiebert mit dem verzwickten Fall und allen darauffolgenden Entwicklungen mit. Bis hier sämtliche Fäden zusammengeführt werden, dauert es und führt Felix Grohsmann und Joe Kettler auf viele verschiedene (Um-)wege.Mina Albich gelingt es überraschende Wendungen einzubauen, die den Leser immer von neuem rätseln lassen. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Manches war mir allerdings zu detailverliebt erzählt. Ich muss z. Bsp. nicht wissen, welche Teesorte laufend getrunken werden...Mir war es diesmal oftmals leider etwas zu verwirrend. Ich denke aber, dass liegt daran, dass ich den Krimi nicht in einem Zug durchlesen konnte, sondern immer wieder (ungewollte) Pausen einlegen musste, weil ich kaum Zeit fand (was nicht geplant war).Ich bin die Einzige in der Leserunde, die bisher keine fünf Sterne gegeben hat, also bitte macht euch selbst ein Bild!Fazit:Ein weiterer spannender Wien-Krimi aus der Reihe um Felix Grohsmann und Joe Kettler, den ich gerne weiter empfehle.