Fesselnd bis zur letzten Seite
Der vierte Krimi für Chefinspektor Felix Grohsmann und sein Team führt uns nicht nur zur zur Spinnerin am Kreuz und zum Wasserspielplaz auf dem Wienerberg, sondern auch in die Geschichte der ehemaligen Richtstätte unmittelbar in der Nähe des auf dem Cover abgebildeten gotischen Bildsäule. Besonders Therese Kandl (1785-1809), die als erste Frau an jener Richtstätte gehängt worden ist, spukt sprichwörtlich hier in diesem Krimi herum. Was ist passiert? Die achtjährige Mara buddelt beim Spielen im Wasserpark einen Knochen aus, den sie detailgetreu zeichnet und abmisst. Das aufgeweckte Mädchen, dem ein Asperger-Syndrom angedichtet wird, glaubt nicht an einen Tierknochen und tritt damit eine Fülle von Ermittlungen los. Als man die Knochen identifiziert hat, erweist sich dieser Kriminalfall als äußerst komplexer Cold Case, deutet doch vieles daraufhin, dass zuvor schlampig ermittelt worden ist, um die Verwicklung von Personen des öffentlichen Lebens zu vertuschen. Gemeinsam mit Psychotherapeutin Nicky Stein gelingt es Felix Grohsmann die unheimlichen Erscheinungen, die Mara ängstigen, aufzulösen und so etwas wie eine Familienzusammenführung zu bewerkstelligen. Dazwischen liegen jedoch viele Fragen, deren Beantwortung nur durch das Aneinanderreihen von Mosaiksteinchen ein schlüssiges Bild ergeben. In diesem komplexen Fall dürfen das Privatleben von Felix, Nicky sowie die Familienverhältnisse von Mara nicht fehlen.Meine Meinung: Als Wienerin gefallen mir Mina Albichs Kriminalromane, die auf mir bekannten Plätzen Wiens spielen, außerordentlich gut. Diesmal hat mich die Location "Wasserpark" ein wenig irritiert, denn wir (meine Familie und ich) verwenden diese Bezeichnung ausschließlich für jenen Park in Floridsdorf, der vom Stadtgartenamt 1929 fertiggestellt worden ist und, weil neben der Donau gelegen, Heimat zahlreicher Wasservögel ist. Der im Krimi genannte Wasserpark befindet sich auf dem Wienerberg in Favoriten und heißt amtlich "Wasserspielpatz beim Wasserturm", in dessen Nähe er liegt, Aber, solche klitzekleine Details fallen natürlich nur jenen auf, die sich in der Stadt bestens auskennen. Geschickt lässt uns die Autorin an Maras Gedanken teilhaben, die auf Grund ihrer Begabung, sowohl in der Schule als auch bei Mutter und Bruder als anstrengend und manchmal störend empfunden wird. Interessant, dass sie von Felix ernst genommen wird, bei Nicky setze ich das voraus. Der alleinerziehenden Mutter kann man wohl keinen Vorwurf machen, hat sie doch alle Hände voll zu tun, die Kinder durchzubringen und will die beiden so gut wie möglich beschützen. Sie ist ein wenig in dem Teufelskreis gefangen, keine Hilfe annehmen zu wollen oder zu können. Spannend ist auch die Suche nach Täter und Motiv in diesem verzwickten Mordfall. Das Cover ziert die gotische Säule "Spinnerin am Kreuz", die im 15. Jahrhundert an Stelle einer früheren errichtet worden ist. Die berühmteste Sage ist wohl jene von einer Frau aus dem Mittelalter, deren Mann an einem Kreuzzug teilgenommen hat und die spinnend auf seine Rückkehr gewartet hat. Fazit:Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.