Windeln wechseln, Fläschchen geben, Kinderspiele? Das alles füllt Polizistin Hedi Voss während ihres Erziehungsurlaubs nicht aus. Ihr messerscharfer Verstand will gefordert werden, und so schleust sie sich mit Hilfe ihres Kollegen Thure in die Ermittlungen eines mysteriösen Todesfalls ein. Die 18-jährige Laura verstirbt während eines Festivalbesuchs mit Freunden und es gibt viele Ungereimtheiten. War es ein tragischer Unfall oder doch Mord? Haben die ermittelnden Polizisten schlampig gearbeitet und Beweise übersehen, oder gar falsche Schlüsse gezogen?Hedi klemmt sich dahinter und möchte den Fall um jeden Preis lösen.******************************************************** Bereits im Prolog schafft es die Autorin Unwohlsein und eine beklemmende Atmosphäre zu erschaffen und Neugier beim Leser zu erzeugen. Man möchte wissen, wie die dort beschriebene Situation mit Lauras Tod zusammenhängt und wie sie einzuordnen ist. Doch bevor wir diese Geschehnisse in den Gesamtkontext einsortieren können, wird die Autorin uns noch einige Zeit zappeln lassen.Die Perspektivwechsel, die zeitlichen Rückblicke, sowie die Einschübe eines True Crime- Podcasts, der über Lauras Tod berichtet, haben die Handlung abwechslungsreich, spannend und aktuell wirken lassen. Die Kommentare aus der Podcast-Community beleuchten außerdem verschiedene Ansichten auf den Fall, zeigen aber im Laufe der Geschichte auch, welche unliebsamen Auswirkungen Social Media sowohl auf Täter, Opfer als auch Hinterbliebene haben kann.Generell fand ich die beschriebene Gedanken- und Gefühlswelt der Angehörigen sehr berührend und sie haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Angst und Sorgen und den Wunsch nach Aufklärung des Falles von Seiten der Mutter konnte ich besonders gut nachempfinden.Miriam Rademacher ist es gelungen, lebendige, greifbare Charaktere zu entwerfen, von denen man ein genaues Bild vor Augen hat. Die 18-jährige Laura, die die Welt entdecken will, Spaß haben möchte, ohne sich wirklich viele Sorgen zu machen. Sie hat das Selbstbewusstsein eines Mädchen, das glaubt über alle Sorgen erhaben zu sein. Ihre Festival-Begleiter, Isi, Tim und Robbie sind alle auf ihre Art problematisch und man traut ihnen nicht wirklich über den Weg. Die Einschätzung von Personen von außerhalb verstärkt diesen Eindruck noch. Wir müssen uns immer wieder fragen, ob die drei Freunde wirklich so wenig wissen, wie sie behaupten. Durch geschicktes Fährtenlegen von Seiten der Autorin, könnte man jeden von den dreien für den Täter halten. Die Damen des Canastaclubs, mit denen sich Hedi regelmäßig trifft, habe ich lieb gewonnen. Sie lockern mit ihrer Lebenserfahrungen und ihrem frechen Mundwerk die tragische Geschichte sehr auf.Zu Kommissarin Hedi Voss hingegen habe ich leider keinen Zugang gefunden. Ihren Umgang mit ihrem 15 Wochen alten Sohn fand ich mehr als kritisch- fahren ohne Kindersitz, ihn ohne Beaufsichtigung vor öffentlichen Gebäuden im Kinderwagen stehen lassen, ständige Beschwerden über den Alltag als Mutter. Das alles hat sie mir nicht wirklich sympathisch gemacht. Den Fakt, dass die Babyzeit sie nicht erfüllt, kann ich durchaus nachvollziehen, aber ihr Verhalten fand ich mehr als unangebracht und unsere Ansichten gingen einfach zu weit auseinander. Sie will sich wieder mehr gebraucht fühlen, kann sich nur schwer von ihrer Arbeit als Polizistin trennen und sucht sich deshalb neue Aufgaben. Alles in allem valide Wünsche, aber der kleine Riko tat mir einfach nur leid. Insgesamt handelt es sich um einen ruhigen Krimi, der sehr kleinschrittig erzählt wird und viel klassische Polizeiarbeit beinhaltet. Es gibt viele Verdächtige, viele Befragungen, viele Ermittlungen.Als Cozy Crime oder gar humorvollen Krimi würde ich dieses Buch aber eher nicht einordnen, eher als Küstenkrimi, aufgrund seiner Handlungsplatzes in Eckernförde.Ob ich persönlich Hedi weiter auf ihrem Weg als Polizistin begleite, weiß ich noch nicht, aber wer gern Bücher mit Küstensetting und einer sich langsam aufblätternden Handlung ohne viel Blutvergießen mag, könnte hier richtig sein.